Fluglinien streichen Flüge nach China - erste Ausländer ausgeflogen

Immer drastischere Abschottungsmaßnahmen gegen Virus-Epidemie

Peking (AFP) - Die Angst vor einer Pandemie durch das neuartige Coronavirus sorgt für immer drastischere Abschottungsmaßnahmen: Die britische Fluggesellschaft British Airways und andere Fluglinien setzen ihre Flüge nach China aus; zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, raten von Reisen in die Volksrepublik ab. Japan und die USA flogen am Mittwoch hunderte Staatsbürger aus der besonders betroffenen Millionenstadt Wuhan aus.
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Verlassene Straße in Wuhan © AFP

Rund einen Monat nach Meldung der ersten Fälle lag die Zahl der Erkrankten in Festland-China am Mittwoch nach Behördenangaben bei knapp 6000 - mehr als die Zahl der Sars-Fälle während der Sars-Epidemie der Jahre 2002 und 2003. Die Zahl der Todesfälle stieg auf 132.

Außerhalb Chinas gibt es bisher etwa 50 Infektionsfälle in rund 15 Ländern, davon vier in Deutschland. Am Mittwoch erreichte der neuartige Erreger auch den Nahen Osten: Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten vier Erkrankte.

Als Reaktion auf die weitere Ausbreitung des Virus setzt British Airways seit Mittwoch alle Flüge von und nach China aus. Indonesiens Billigflieger Lion Air, die nach Flugzeugen größte Airline in Südostasien, stellt ab Samstag alle China-Flüge ein.

Hongkongs Fluggesellschaft Cathay Pacific Airways hat bereits angekündigt, die Verbindungen zum chinesischen Festland ab Donnerstag bis Ende März um die Hälfte zu reduzieren. Auch die US-Fluggesellschaft United Airlines will ab Samstag weniger Flüge nach China anbieten. Bei der Lufthansa finden dagegen bislang alle Flüge von und nach China wie geplant statt. Auch Air France ändert seinen Flugplan vorerst nicht.

Der kleine Pazifikstaat Papua-Neuguinea will gar keine Reisenden aus Asien mehr ins Land lassen. Kasachstan untersagte alle Reisen ins Nachbarland. China versucht bereits seit Tagen mit drastischen Reisebeschränkungen, der Isolierung ganzer Städte sowie einer Verlängerung der Neujahrsferien die Ausbreitung des neuen Virus in den Griff zu bekommen.

In Deutschland wurden am Dienstagabend drei weitere Krankheitsfälle durch das Virus bekannt. Wie im ersten Fall arbeiten die Betroffenen beim im oberbayerischen Landkreis Starnberg angesiedelten Automobilzulieferer Webasto, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte. Bei dem ersten in Deutschland erkrankten Mann handelt es sich zugleich um die erste bekannte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus außerhalb Asiens.

Japan und die USA flogen unterdessen als erste Länder hunderte eigene Staatsbürger aus der weitgehend von der Außenwelt abgeriegelten zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan aus, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte. In einer ersten europäischen Rückholaktion sollten zudem am Mittwoch 250 französische Staatsangehörige aus China ausgeflogen werden. Am Donnerstag will Rom eine Maschine zur Evakuierung von Italienern aus Wuhan entsenden.

Auch die Bundesregierung zieht eine Evakuierung aller ausreisewilligen Deutschen in Betracht. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollen etwa hundert Deutsche aus Wuhan ausgeflogen werden. Vorbereitungen dafür laufen demnach.

Auch Australien will seine Bürger aus Wuhan ausfliegen. Die dortigen rund 600 Australier sollen danach zwei Wochen lang auf der 2300 Kilometer von Australien entfernt gelegenen Weihnachtinsel unter Quarantäne gestellt werden. Auch Großbritannien kündigte eine zweiwöchige Quarantäne für aus China ausgeflogene Briten an.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will internationale Experten nach China senden, um die weltweite Antwort auf das Virus zu koordinieren. In einem Telefongespräch mit Chinas Regierungschef Li Keqiang bot EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Brüssels Hilfe im Kampf gegen das Virus an. Auch die USA boten Peking nach Angaben von US-Gesundheitsminister Alex Azar wiederholt Unterstützung an - bislang vergeblich.

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