Hunderte Wissenschaftler verfolgten, wie die 17 Meter lange und 50 Tonnen schwere Rakete vom Typ Agni V um 08.05 Uhr Ortszeit von einem Testgelände vor der Küste des östlichen Bundesstaates Orissa abgefeuert worden. "Ich verkünde den erfolgreichen Start der Agni V, ein historisches Ereignis, das unser Land stolz macht", sagte der Chef der für die Entwicklung von Militärtechnologie zuständigen Behörde (DRDO), V.K. Saraswat. Indien sei jetzt eine "Raketenmacht".
Auch die Regierung des Landes feierte den erfolgreichen Raketentest. Dieser sei ein "einwandfreier Erfolg" und ein "bedeutender Meilenstein im indischen Raketenprogramm", erklärte Verteidigungsminister A.K. Antony. Premierminister Manmohan Singh gratulierte den für das Raketenprogramm zuständigen Wissenschaftlern.
Mit der Entwicklung der neuen Rakete verkürzt Indien den Rückstand auf China, Großbritannien, Frankreich, Russland und die USA, die bisher als einzige Länder weltweit über ballistische Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von mindestens 5500 Kilometern verfügen. Die Atommacht, die derzeit massiv in Rüstung und die Modernisierung ihrer Streitkräfte investiert, liegt mit ihrem Raketenprogramm aber dennoch weit hinter den technologisch fortgeschrittenen Systemen Chinas zurück. Die riesige Lücke wurde mit dem Test aber kleiner.
An der Entwicklung der Agni V waren in den vergangenen drei Jahren rund 800 Menschen beteiligt. Sie griffen dabei auf neues Material und neue Technologie zurück, um den Antrieb der Motoren schneller zu machen. Die Langstreckenrakete könnte mit ihrer Reichweite Experten zufolge theoretisch jegliche Ziele in ganz China und verschiedenen Ländern Europas treffen. DRDO-Sprecher Ravi Gupta betonte jedoch, die Rakete sei ein "länderunspezifisches" Abschreckungsmittel.
Agni (dt.: Feuer) ist der Name einer Reihe von Raketen, die Indien seit 1983 im Zuge eines ambitionierten Raketenprogramms herstellt. Während Agni I und II vor allem mit Blick auf das verfeindete Pakistan entwickelt wurden, wurden spätere Versionen mit größerer Reichweite als vor allem auf China ausgerichtet angesehen. Die Beziehungen beider Länder sind seit einem kurzen, aber blutigen Grenzkonflikt im Jahr 1962 von Misstrauen und Spannungen geprägt.
Die Volksrepublik reagierte gelassen auf den Raketentest. "China und Indien sind keine Rivalen, dafür aber Kooperationspartner", sagte Außenamtssprecher Liu Weimin. Deutlicher war hingegen ein Leitartikel der staatlichen "Global Times": Indien dürfe seine Stärke nicht überschätzen, schrieb das Blatt. In "absehbarer" Zukunft habe Indien im "allgemeinen Wettrüsten" mit China keine Chance. Peking kündigte ein chinesisch-russisches Marine-Manöver ab Sonntag an, betonte zugleich aber auch, dass es in keinem Zusammenhang mit dem indischen Raketentest stehe.
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