Geschichte des jüdischen Friedhofs erläutert

Jacob-Pins Gesellschaft zu Besuch

Lauenförde (brbs) - Seit einigen Jahren lädt die Jacob-Pins-Gesellschaft, Höxter, zu Exkursionen zu jüdischen Friedhöfen ein, die die letzten Zeugen jüdischen Lebens bis 1945 sind.

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Zahlreiche interessierte Teilnehmer der Exkursion waren mit Fritz Ostkämper auf den jüdischen Friedhof in Lauenförde gekommen und wurden von Annegret Gauding (2.v.r.) und Peter Siebert (3.v.r.) begrüßt.

© Foto: privat

Vor einigen Tagen konnten Vorstandsmitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Lauenförde Fritz Ostkämper, den Vorsitzenden der Jacob-Pins-Gesellschaft, mit zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Exkursion am Eingang der Begräbnisstätte am östlichen Ortsausgang begrüßen. Peter Siebert, Vorsitzender des HGV, ging auf die geschichtliche Entwicklung des Friedhofes ein, der sich zunächst im Eigentum der Familie Löwenherz befand und 1889 durch Schenkung an die jüdische Gemeinde übertragen wurde. Die letzte Bestattung habe im Januar 1936 stattgefunden, als die an den Folgen einer Operation in Göttingen im Alter von 20 Jahren verstorbene Lieselotte Kohlberg beigesetzt worden sei. Nichtjüdische Teilnehmer des Trauerzuges waren damals durch SA-Männer beschimpft und fotografiert worden. Die Bilder seien dann im sogenannten „Stürmerkasten“ in Beverungen ausgehängt worden.
Mitte Mai 1944 wurden die vorhandenen Grabsteine aus Marmor und Granit auf Anordnung des Lauenförder NS-Funktionärs Albert Evers durch Zwangsarbeiter abtransportiert und von der Gemeinde Lauenförde für 350 Reichsmark an einen Steinmetz aus Einbeck verkauft. Auch die schmiedeeisernen Gitter von den Grabeinfassungen sowie die Bronzebuchstaben auf dem Grabmal für Hermann Löwenherz seien entfernt worden. Ein künftiges Projekt des Heimat- und Geschichtsvereines sei es, die Beschriftung wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.
Damals sei geplant gewesen, den Friedhof als „Beerdigungsplatz für Polen, Russen und sonstige Ausländer“ zu nutzen. Ihre letzte Ruhe fanden dort drei sowjetische Offiziere, die in der Rüstungsproduktion der Firma Herlag eingesetzt waren. Außerdem seien dort kanadische Flieger begraben worden, die bei einem Angriff auf Kassel abgestürzt waren. Sie habe man jedoch nach Kriegsende auf eine Kriegsgräberstätte in Frankreich umgebettet.
Am 6. August 1954 habe Erna Seidl geb. Löwenherz die Asche ihrer Mutter Toni Löwenherz im Familiengrab der Familie beisetzen lassen. 1956 sind dann durch die Gemeinde die während des NS-Regimes entwendeten Grabsteine teilweise ersetzt worden. 1991 konnten die Grabsteine im Auftrag des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen restauriert werden.

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