Jagdgäste aus Amerika

Von Barbara Siebrecht
Beverungen – Hubert von der Beeck ist in sechster Generation Förster und stammt aus Beverungen. „Seit 50 Jahren bin ich sozusagen auf Montage, habe aber immer noch eine Wohnung in meiner Heimatstadt“, berichtete von der Beeck, der viele Jahre als Holzimporteur insbesondere für Furnierholze tätig war und seinen Hauptwohnsitz in San Diego in Kalifornien hat.

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Die Gäste aus Kalifornien (v. l.) John und Darron Ehlers, Jeffrey Buck, Laura Welsfry, Paul Scripps und Hubertus von der Beeck erkundeten Wälder und Geschichte des Weserberglandes.

© Foto: Siebrecht

Mit befreundeten Jägern aus San Diego und Umgebung besuchte er seine Heimat und brachte den amerikanischen Gästen die deutschen Jagdtraditionen und die historischen Sehenswürdigkeiten seiner Heimat nahe.

Die Jäger und Naturschützer waren zunächst zu einer Gesellschaftsjagd im hessischen Bad Zwesten geladen und konnten mit einem Ausländer-Jagdschein, der 14 Tage gültig ist, aktiv an der Jagd teilnehmen. Dazu mussten sie auch das feierliche Jagdgelöbnis ablegen. Die Gäste aus Amerika waren tief beeindruckt von den seit Jahrhunderten überlieferten Traditionen vor, während und nach der Jagd. Die Jagdhornbläser mit ihren Signal-Melodien, das Legen der Strecke mit der symbolischen letzten Äsung als Respektsbezeigung vor dem erlegten Tier und die gesellschaftlichen Aspekte der Jagd, wie das Schüsseltreiben im Anschluss an die Jagd, waren für die Amerikaner unvergessliche Erlebnisse auf ihrem Weg durch Deutschland abseits von touristischen Höhepunkten. „It was a lifetime experience (Es war ein unvergessliches Erlebnis)“, waren sich die Amerikaner einig und betonten ihre Dankbarkeit gegenüber Hubertus von der Beek, ohne den sie nicht diese tiefen Einblicke in die Jagdtraditionen und die Region des Wesereberglandes erhalten hätten. Während ihres achttägigen Aufenthalts in Beverungen besichtigten sie unter anderem das Jagdmuseum im Schloss Neuenheerse, das Wisentgehege in Hardehausen, die Wasserspiele in Wilhelmshöhe und bewegten sich auf den Spuren der Brüder Grimm mit einen Besuch der Sababurg. In Deutschland fühlten die Amerikaner sich herzlich und warm empfangen. Sie bestaunten die jahrhundertealten, gut erhaltenen Innenstädte vieler Orte auf ihrem Weg, fanden das Essen „extremely good“ (extrem gut) und waren begeistert von der Professionalität des Servicepersonals, das anders als in Amerika ausgebildet wird.
Viele Unterschiede zur Jagd in Amerika erfuhren die Jäger, die schon zur Jagd viele Länder besucht hatten, hier in Deutschland. Die deutschen Jagdtraditionen sind eng verbunden mit dem Jagdrecht der Adeligen, die zum Teil zum Zeitvertreib, zur Übung für den Kampf und als gesellschaftliches Ereignis zur Jagd gingen. In Deutschland war das Jagdrecht über Jahrhunderte Bauern und Bürgern verwehrt und ist heute nach strengen Abschussquoten in den staatlichen und privaten Revieren geregelt. In Amerika kann jedermann einen Kenntnisnachweis, insbesondere über den Umgang mit Jagdwaffen ablegen und dann zur oft mehrtägigen Jagd aufbrechen. Der Abschuss wird ebenfalls beschränkt. Man erwirbt sogenannte „Tags“ pro Wildstück, das erlegt werden soll. Die Ausrüstung zur Jagd unterliegt einer 9-prozentigen Sondersteuer, deren Erlös für den Naturschutz verwendet wird. Außerdem betonten die amerikanischen Gäste, dass jeder von ihnen durch persönliche Spenden und mit eigener Hand schon zu Naturschutz, wie dem Bau von Wildtränken in der Wüste oder Zäunen entlang von Straßen beigetragen habe.

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