Budapest (AFP) - Wegen der anhaltenden Kältewelle in Europa ist die Donau auf fast ihrer gesamten Länge für den Schiffsverkehr gesperrt. Da riesige Eisblöcke die längste Wasserstraße des Kontinents unsicher machten, setzte nun auch Ungarn den Schiffsverkehr auf dem Fluss aus. In Serbien und Rumänien waren nach massiven Schneefällen zehntausende Menschen von der Außenwelt abgeschnitten, während sich die Zahl der Kältetoten weiter erhöhte.
Nach Deutschland, Österreich, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien setzte nun auch Ungarn den Schiffsverkehr auf der Donau aus, die mit 2860 Kilometer die längste Schifffahrtsstraße Europas ist. Während weite Strecken ganz zugefroren waren, trieben auf anderen Strecken riesige Eisblöcke von bis zu einem halben Meter Dicke. Serbien entschied sich zunächst gegen den Einsatz von Sprengstoff zur Räumung des Flusses.
In Deutschland ist neben der Donau auch die Elbe seit Dienstag komplett gesperrt. Auch auf anderen wichtigen Flüssen und Kanälen war der Schiffsverkehr wegen des Treibeises und geschlossener Eisdecken nicht möglich. Betroffen waren auch wichtige Verbindungen der deutschen Seehäfen wie der Elbe-Seitenkanal und der Mittellandkanal. Mancherorts waren Eisbrecher im Einsatz, um zumindest einige Strecken offen zu halten. Auch viele Schleusen waren vereist.
Im Südwesten Serbiens steckten rund 70.000 Menschen wegen des Schnees in ihren Dörfern fest. In Bosnien, Kroatien, Mazedonien und Albanien waren tausende Dorfbewohner in einer ähnlichen Lage. Im Osten Rumäniens drohte rund 23.000 Menschen, die von der Außenwelt abgeschnitten waren, Lebensmittel und Trinkwasser auszugehen. Aus dutzenden Häusern mussten sich die Bewohner bei Schneehöhen von bis zu vier Metern ihren Weg freigraben.
In den Außenbezirken von Rom, das in der vergangenen Woche nach Schneefall im Chaos versunken war, fiel erneut leichter Schnee. Die Stadtverwaltung versicherte, sie sei diesmal ausreichend gewappnet. Sie wies alle Autofahrer an, Schneeketten anzulegen, deren Preis auf einem Straßenmarkt daraufhin auf bis zu 400 Euro stieg. Außerhalb der Stadt lagen stellenweise bis zu 40 Zentimeter Schnee. Vorsorglich wurde rund ein dutzend Flüge nach Mailand annuliert.
Im Süden Roms erfror eine Obdachlose, die in einer Höhle Schutz gesucht hatte. Auf Sardinien erfror ein Mann, nachdem er sein Krankenhauszimmer nur in Pyjama und Pantoffeln verlassen hatte. Die Zahl der Kältetote in Italien stieg damit seit Beginn der Kältewelle vor zehn Tagen auf mehr als 45. In Rimini musste ein Mann im Krankenhaus behandelt werden, nachdem er von streunenden Hunden angefallen worden war. Er hatte sie zunächst für Wölfe gehalten.
Auf dem Balkan erhöhte sich mit dem Fund zweier weiterer Kältetoter in Serbien die Opferzahl auf 37. In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wurden erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg Notunterkünfte für Obdachlose eingerichtet. Die Stadtverwaltung in Moskau meldete, dass seit Beginn des Monats elf Menschen bei Bränden ums Leben kamen, die durch schadhafte Heizgeräte ausgelöst wurden. Das waren doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.