Ein Jahr Widerstand gegen das Atomlager in Würgassen

Lautstarker Protest gegen „Atommüll-Tetris“

Von Peter Vössing
Würgassen – „Das ist ein Geburtstag, auf den wir liebend gern verzichtet hätten“, erklärte BI-Vorsitzender Dirk Wilhelm bei der Mahnwache zum 1. Jahrestag des Widerstands gegen das geplante Atomlager in Würgassen.

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Protest gegen das geplante Zwischenlager auf dem Parkplatz des ehemaligen Kernkraftwerks.

© Foto: Vössing

Ca. 500 Demonstranten hatten sich auf dem Parkplatz vor dem ehemaligen Würgasser Kernkraftwerk eingefunden, um ihren Unmut lautstark gegen das geplante Riesenprojekt der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zu äußern. Geplant war aufgrund der Coronapandemie eine Kundgebung aus dem Auto heraus. Jedoch waren auch viele Radfahrer und Fußgänger zur Demonstration gekommen. Schnell füllte sich der große Parkplatz, sodass auch auf dem Seitenstreifen der Zugangsstraße zum Kraftwerk geparkt werden musste.
Ca. 500 Demonstranten aus der gesamten Region im Dreiländereck wollten bei der Aktion, die vom erneut gewählten Vorsitzenden des Widerstandsvereins „Atomfreies 3-Ländereck“ organisiert wurde, dabei sein.

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Mit Atemschutzmasken wurde auf die Gefahren durch die unzähligen Atomtransporte aufmerksam gemacht.

© Foto: Vössing


Wer nicht im Auto blieb, musste die strengen Masken- und Abstandsregeln einhalten. Das Ordnungsamt Beverungen, dass auf die Einhaltung der Corona-Schutzbestimmungen vor Ort achtete, war mit dem Verhalten der Demonstranten zufrieden. Die Demonstranten verhielten sich äußerst diszipliniert.
Viele Autos der Kundgebungsteilnehmer waren entsprechend geschmückt. Spruchbänder, gelbe Fässer und Fahnen zeugten von der Unzufriedenheit zum geplanten 500 Mio. Euro Projekt. Einige Protestler hatten Atemschutzmasken auf, um die Gefahren, die von den Atommülltransporten ausgehen, aufzuzeigen. Auf einem Anhänger war eine Bühne aufgebaut worden, von der die Redner zu den Menschen sprachen.

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Der neue Vorstand der BI: (vorne v.l.) Martin Hoppe (stellv. Vorsitzender), Dirk Wilhelm (Vorsitzender), Martin Ahlborn (stellv. Vorsitzender) und Katrin Meyer (Kassiererin). (hinten v.l.) die Beisitzer Rainer Lenzing, Thorsten Schäfer, Paul Weskamp und Oliver Stellmacher.

© Foto: Vössing


Begrüßt wurden sie von Dirk Wilhelm. Er gab zunächst einen Abriss über die Geschehnisse des letzten Jahres, die mit der denkwürdigen Pressekonferenz am 6. März 2020 begannen. Wilhelm versäumte es nicht, den neu gewählten Vorstand der Bürgerinitiative vorzustellen. Er ging auf die unzähligen Atomtransporte mit insgesamt ca. 303000 Kubikmeter mittel- und schwachradioaktivem Müll ein und vergas nicht zu erwähnen, dass sich auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände in zwei Lagern noch atomarer Müll befindet. Aus einem der Lager würden ca. 3000 Fässer zum 260 Kilometer entfernten Zwischenlager im bayrischen Grafenrheinfeld gebracht. Nach Fertigstellung der „Mutter aller Zwischenlager“, soll der verpackte Müll wieder zurück nach Würgassen transportiert werden. Wilhelm erklärte, dass von dem Atommüll bei der Lagerung nicht viel Gefahr ausgehe, aber die vielen Transporte der Knackpunkt sei. Das Dreiländereck solle zum Umschlagpunkt von 90 Prozent des gesamten Atommülls werden. Dabei würden mehrere Millionen Transportkilometer anfallen. „Wir machen bei dem Atommüll-Tetris nicht mit“, verkündete Wilhelm.
Demnächst wird sich der Bundestag aufgrund einer Anfrage der Partei Bündnis90/Die Grünen mit der Thematik beschäftigen.
Uslars Bürgermeister Torsten Bauer prangerte die Desinformationspolitik der BGZ an und forderte: „Wir haben Anspruch auf eine ergebnisoffene Prüfung des geplanten Projektes“. Er freute sich darüber, dass sich eine ganze Region gegen das geplante Zwischenlager mit seinen unzähligen Atommülltransporten positioniert habe.
Vorstandsmitglied Martin Hoppe ging in seiner Ansprache auf die Verflechtung der BGZ-Mitarbeiter mit den großen Energiekonzernen ein. Er mahnte an, die Gutgläubigkeit abzulegen und ein gesundes Misstrauen aufzubringen, wenn es um Entscheidungen der BGZ ginge.
Martin Ahlborn (ebenfalls Vorstandsmitglied) rief die Demonstranten dazu auf den Widerstand gegen das Projekt weiter in die Breite zu treiben und Kontakte, auch überregional, mit einzubeziehen.

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