Nächster Doping-Skandal bei der Tour de France

Luxemburger Radprofi Frank Schleck positiv getestet

Pau (AFP) - Am Abend des zweiten Ruhetages ließ der Radsport-Weltverband UCI die Bombe platzen: Bei RadioShack-Star Frank Schleck ist nach der 13. Etappe der Tour de France ein Dopingtest positiv ausgefallen. In der Urinprobe des Luxemburger Vorjahresdritten wurden Spuren des Diuretikums Xipamid nachgewiesen. Schleck wurde von seinem Team noch am Abend aus dem Rennen genommen.
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Frank Schleck positiv getestet © AFP

"Auch wenn dies nach einer solchen A-Probe kein notwendiger Schritt ist, haben sich Mannschaftsleitung und Fahrer auf diesen Schritt verständigt, damit sich Herr Schleck mit seinen Anwälten beraten kann", hieß es in einem Statement des Rennstalls: "Wir möchten klarstellen, dass Xipamid keine von uns verwendete Substanz ist und die Ursache des positiven Tests für uns nicht erklärbar ist."

Zuvor hatte der Weltverband verkündet: "Die UCI erwartet, dass Schleck im Einklang mit den Anti-Doping-Regeln mit sofortiger Wirkung suspendiert wird." Der 32-Jährige habe nun das Recht, innerhalb von vier Tagen die Öffnung der B-Probe zu beantragen.

Der Heidelberger Molekularbiologe und Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke sagte dem SID: "Ich hätte nicht gedacht, dass er so naiv ist. Die Rechnung von Dopingarzt Fuentes für die Schleck-Brüder habe ich ja noch vorliegen. Die hat das Bundeskriminalamt damals ja gefunden."

Xipamid ist ein Mittel, um die Ausscheidung von Flüssigkeiten und Elektrolyten über die Nieren zu steigern. Es wird verwendet, um Wassereinlagerungen aus dem Körper auszuschwemmen. Dadurch hat es eine mögliche maskierende Wirkung für Doping-Substanzen. Eine direkte leistungssteigernde Wirkung haben Diuretika nicht.

Die betreffende Probe hatte das von der Welt-Antidopingagentur WADA akkreditierte Laboratoire national de dépistage du dopage (LNDD) in Châtenay-Malabry bei Paris am Samstag nach Etapppenende in Cap d'Agde genommen. Das 1966 gegründete Institut war 2005 in die Schlagzeilen geraten, als es nach Angaben der L'Equipe in anonymisierten Urinproben von Lance Armstrong aus dem Jahr 1999 EPO festgestellt hatte.

Schleck war unauffällig im Hauptfeld ins Ziel gekommen. Der Teamkollege der deutschen Routiniers Jens Voigt und Andreas Klöden lag zum Zeitpunkt der Bekanntgabe seines positiven Tests auf dem zwölften Platz des Gesamtklassements.

Frank Schleck ist der ältere Bruder von Andy Schleck, der die laufenden Frankreich-Rundfahrt wegen eines Steißbeinbruches hatte absagen müssen. Der 27-Jährige war nach der Verurteilung des ursprünglich siegreichen Spaniers Alberto Contador nachträglich zum Tour-Gewinner 2010 erklärt worden.

Für RadioShack-Nissan ist der positive Test eine weitere Hiobsbotschaft. Nach diversen Querelen und Streitigkeiten kämpft das erst zum Saisonanfang gegründete "Super-Team" um seinen Fortbestand. Das Team soll akute finanzielle Schwierigkeiten haben, zuletzt legten einige Fahrer, darunter auch die Schleck-Brüder, Beschwerde bei der UCI über Verzögerungen bei den Gehaltszahlungen ein.

Zudem wird RadioShack vom Belgier Johan Bruyneel geleitet, der von der US-Anti-Doping-Agentur USADA wegen Dopings angeklagt ist. Er soll Lance Armstrong mit dessen Wissen durch systematisches Doping zu sieben Tour-Siegen geführt haben. Aufgrund der jüngsten Vorwürfe war Bruyneel der Tour 2012 ferngeblieben.

Ein Dopingfall Frank Schleck könnte auch Auswirkungen auf den Profi-Radsport in Deutschland haben. Die Schleck-Brüder waren zuletzt als Stars einer möglichen deutschen Top-Mannschaft gehandelt worden, die als "Team Alpecin" ab dem kommendem Jahr an den Start gehen soll.

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