Zinsen für neue italienische Schulden sinken trotzdem

Moody's setzt Italiens Kreditwürdigkeit weiter herab

Washington (AFP) - Die US-Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Italiens weiter herabgestuft. Die Bonitätsnote wurde um zwei Stufen von "A3" auf "Baa2" gesenkt. Obwohl Italien bei einer Versteigerung von Staatsanleihen weniger Geld für neue Staatsanleihen zahlen musste, reagierte die Regierung in Rom empört auf die Entscheidung der Ratingagentur.
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Ausverkauf in Geschäft in Rom © AFP

Mit der erneuten Herabstufung ist Italien nur noch zwei Stufen vom Ramsch-Status entfernt. Moody's erklärte zur Begründung, das Risiko, dass das Land sich künftig nur für äußerst hohe Zinsen frisches Geld beschaffen könne, sei wegen des schwindenden Vertrauens der Märkte hoch. Ein schwaches Wachstum und eine höhere Arbeitslosigkeit könnten das Land zudem daran hindern, seine Ziele beim Defizitabbau zu erreichen. Wegen der angespannten Lage in der Euro-Zone behielt Moody's Italiens negativen Ausblick bei.

Nach einer Herabstufung wird es für Länder in der Regel teurer, an den Finanzmärkten Kredite aufzunehmen. Italien musste jedoch keine höheren Zinsen für insgesamt 3,5 Milliarden Euro zahlen. Bei einer Versteigerung dreijähriger Staatsanleihen lagen die Zinsen bei 4,65 Prozent. Bei einer ähnlichen Anleihenausgabe Mitte Juni waren es noch 5,30 Prozent gewesen.

Bei Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis 2019 musste Italien den Investoren allerdings eine Rendite von 5,58 Prozent bieten. Im März waren solche Papiere mit 4,30 Prozent noch deutlich günstiger gewesen. Jetzt lagen die Zinsen nur knapp unter der als kritisch geltenden Schwelle von sechs Prozent. Experten sagen, dass ein Land Kredite oberhalb dieser Marke nicht lange nachhaltig bedienen kann.

Die italienische Regierung kritisierte die Herabstufung trotz der glimpflich ausgegangenen Auktion als ungerechtfertigt. Die Bewertung von Moody's sei "vollkommen ungerechtfertigt und irreführend", sagte der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Corrado Passera. Der Chef des Unternehmerverbandes Confindustria, Giorgio Squinzi, erklärte, die italienische Wirtschaft sei stärker als von der Ratingagentur bescheinigt.

Die EU-Kommission kritisierte den Zeitpunkt der Herabstufung. "Ich denke, man kann berechtigt und ernsthaft den Zeitpunkt in Frage stellen", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Zur Begründung verwies er auf die "wichtige Anleiheauktion" am Freitag. Italien habe in den vergangenen Monaten zudem ein "beeindruckendes" Reformprogramm vorgelegt.

Auch die Bundesregierung stellte sich demonstrativ hinter den Sparkurs von Ministerpräsident Mario Monti. Berlin habe die Reformen, die Monti mit viel "Mut und Tatkraft" angegangen sei, schon immer "nachdrücklich" unterstützt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Zu den Entscheidungen von Ratingagenturen äußere sich die Bundesregierung grundsätzlich nicht.

Italien ächzt unter einer Schuldenlast von mehr als 1,9 Billionen Euro. Die Regierung in Rom nahm deshalb harte Einschnitte vor und setzte es sich zum Ziel, 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Dafür hob sie unter anderem das Renteneintrittsalter an, kürzte Ausgaben und erhöhte die Mehrwert- und Immobiliensteuer. Ministerpräsident Monti schloss trotzdem nicht aus, dass sein Land eines Tages Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds benötigt.

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