Joja Wendt begeistert Beverunger Publikum

Moonwalk auf der Klaviatur

Von Peter Vössing
Beverungen - Deutschlands bester Klavierspieler gab sich die Ehre in der Beverunger Stadthalle. Joja Wendt machte mit seinem neuen Programm „Stars on 88“ Station im Weserstädtchen.

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Joja Wendt stöbert in einer Sammlung alter Vinylplatten.

© Foto: Vössing

400 Zuschauer erlebten eine einzigartigen Show eines Pianist, der einmal mehr seine Entertainerqualitäten eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Gleich mit einem Highlight begann die Show des Pianisten, der als Botschafter der Firma Steinway natürlich seinen eigenen Flügel mitgebracht hatte. Im Saal wurde es stockdunkel und der Künstler setzte sich mit leuchtenden Handschuhen an sein Arbeitsgerät und präsentierte Michael Jacksons Thriller. Mit viel Geschick tanzten seine Finger den Moonwalk auf den Tasten. Dieses konnten die Zuschauer gut verfolgen, wurde doch das Fingerspiel auf eine Leinwand oberhalb der Bühne übertragen.
Gleich nach dem ersten Stück war den Besuchern klar, was sie an diesem Abend erwarten durften, nämlich keineswegs einen ernsten Abend mit klassischer Hochkultur, sondern einen Streifzug durch verschiedenste Musikrichtungen von der Klassik über den Jazz bis zum Pop.

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Mit seiner selbst gebauten  „Rachmaninov-Leiste“ entlockte Wendt dem Steinway-Flügel bombastische Akkorde.

© Foto: Vössing


Der Steinway Flügel von Joja Wendt ist mit einigen Gimmicks ausgestattet, so tanzte das Instrument aufgrund einer eingebauten Hydraulik mit dem Künstlern bei einigen Stücken mit. Wenn dem Flügel das Tempo zu schnell wurde, macht er sich auch schon einmal durch aufsteigenden Rauch bemerkbar.
Wer Wendt kennt, der weiß, dass das Publikum bei ihm in den Konzerten eine wichtige Rolle spielt. Anders als bei anderen Klavierkonzerten muss es sich nicht mucksmäuschenstill verhalten, sondern darf sich mit rhythmischen Klatscheinlagen, Geräuschuntermalungen oder gesanglichen Einsätzen - auf der Leinwand wurden teilweise Kraoke-Einblendungen gemacht - einbringen. Mit den Zuschauern Paul und Christiane aus Wehrden hatte der charmante Akteur zwei „Opfer“ in der zweiten Reihe gefunden, die immer wieder aktiv einbezogen wurden. So durfte Paul mit Zellophanpapier das Knistern der Vinylplatten zum Klavierspiel nachahmen bzw. mit einem Uralt-Syntheziser beim Trio-Song „Da Da Da“ mitspielen.
Auf der Bühne stand eine alte Musik-Kommode mit Vinylplatten alter Jazz- und Popmeister wie Glenn Miller oder Albert Hammond. Immer wieder kramte der Hamburger Pianist dort bekannte Künstler hervor und spielte Stücke von ihnen. Die Musikauswahl war beeindruckend.
„Bei Stars on 88 habe ich zwei Perspektiven im Sinn. Einerseits werde ich aktuelle Charts-Hits und die heißesten Songs der heutigen Stars in meiner Interpretation aufs Klavier bringen. Darauf freue ich mich wahnsinnig und das habe ich in der Form bisher noch nicht gemacht. Andererseits sind die kommenden Konzerte eine Hommage an die Stars am Klavier, die Piano-Helden aller Zeiten von Mozart bis Art Tatum. Ich glaube, das neue Programm wird das Beste, was ich je gezeigt habe“, verkündete Joja Wendt vor Beginn seiner Tournee.
Hits von Ed Sheeran, Prince und Robbie Williams wurden von Wendt extra für die Show neu arrangiert und beeindruckend vorgetragen. Sogar vor AC/DC machte Wendt nicht halt und spielte den bekannten Hit „Thunderstruck“ auf seinem Flügel. Eine Premiere - noch nie hat ein Künstler die bekannten Gitarrenriffs des Stücks so eindrucksvoll auf dem Piano gespielt.
Am Ende seiner zweieinhalbstündigen Show stellte Wendt mit Rimsky-Korsakows Hummeflug unter Beweis, dass seine Hände so schnell Klavier spielen, dass es das menschliche Auge und auch eine Kamera nicht mehr wahrnehmen können. Mit dem Eskimo-Lied, bei dem Wendt die Tasten mit Fäusten und Nase anschlug, endete ein beeindruckendes Konzert. Standing Ovations waren ein gerechter Lohn für einen sympathischen Klaviervirtuosen, der übrigens seine Entdeckung keinem Geringeren als Joe Cocker verdankt.

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