Frauen verabredeten sich womöglich über das Internet

Nach Dreifach-Suizid Computer von Teenagern untersucht

Cloppenburg (AFP) - Nach dem gemeinschaftlichen Selbstmord von drei jungen Frauen im niedersächsischen Holdorf erhoffen sich die Ermittler neue Erkenntnisse durch die Auswertung der Computer der Teenager. Dabei geht es darum, ob sie über soziale Netzwerke im Internet zueinander Kontakt aufgenommen hatten, wie ein Polizeisprecher in Cloppenburg sagte. Zudem will die Polizei demnach klären, ob weitere Menschen an der Tat beteiligt waren.
Wald bei Holdorf in Niedersachsen Bild anzeigen
Wald bei Holdorf in Niedersachsen © AFP

Die drei Frauen im Alter von 16, 18 und 19 Jahren hatten sich nach ersten Ermittlungsergebnissen am Sonntag in dem kleinen Ort Holdorf im Landkreis Vechta getroffen. Sie zündeten dort in einem kleinen gut getarnten Zelt im Wald Einmalgrills an und starben letztlich an einer Rauchvergiftung. Die Polizei geht davon aus, dass sie den kleinen Ort deshalb wählten, weil eine der drei Frauen in der Nähe Verwandtschaft hatte und diese in der Vergangenheit häufiger besucht hatte: "Sie kannte sich hier gut aus", sagte der Polizeisprecher.

Die Teenager stammen aus Jena in Thüringen, dem benachbarten Kreis Emsland in Niedersachsen und aus Immenstadt in Bayern. Nach Polizeiangaben hatten sie alle drei psychische Probleme. Mit dem Ergebnis der Obduktionen rechnet die Polizei erst am Freitag. Offen war auch noch, wie die Teenager in das Waldstück in der Gemeinde Holdorf gelangt waren. Eine Anreise mit dem Auto schloss die Polizei aus.

Ein Experte für suizidgefährdete Jugendliche sprach sich angesichts des kollektiven Freitodes der drei Frauen gegen ein generelles Verbot von Internet-Foren zum Thema Selbstmord aus. "Das sind Foren, in denen sich Betroffene austauschen und sehr konkret über ihre Leiden und ihren Seelenzustand berichten", sagte Gerd Storchmann vom Berliner Verein Neuhland für suizidgefährdete Jugendliche im RBB-Sender Radio eins.

Er warne davor, "solche Foren grundsätzlich zu verdammen", sagte Storchmann. Sie böten in erster Linie Möglichkeiten für Jugendliche, ein Thema mit gleichermaßen Betroffenen zu besprechen. "Das kann auch zur Entlastung führen und muss nicht immer negative Effekte haben." Storchmann verwies darauf, dass Foren-Betreiber auch Adressen von Hilfseinrichtungen veröffentlichten. Zudem gebe es in den Foren auch Regeln, wonach es verboten ist, einen Suizid anzukündigen. Er habe allerdings nicht den Überblick über alle Foren, räumte Storchmann ein.

Die Initiative nationales Suizidpräventionsprogramm kritisierte, dass die Umstände des Suizids "unglücklicherweise" sehr ausführlich und sehr detailliert bekannt gegeben worden seien. Bei einer ausführlichen Beschreibung bestehe die Gefahr, dass andere suizidgefährdete Menschen dem Muster folgten, erklärte die Initiative.

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