Demonstration auf Airport war in Gewalt eskaliert

Nach heftigen Protesten auf Hongkonger Flughafen vorerst Ruhe eingekehrt

Hongkong (AFP) - Nach zweitägigen Protesten und gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei haben sich die regierungskritischen Demonstranten vom Hongkonger Flughafen zurückgezogen. Am Mittwochmorgen hatten die meisten Demonstranten den Airport verlassen und viele Flüge konnten wie geplant starten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Während der Proteste hatten Demonstranten Barrikaden errichtet und mehrere Menschen gewaltsam festgehalten, die Polizei setzte Pfefferspray und Knüppel ein. Hunderte Flüge mussten gestrichen werden.
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Demonstranten und Polizisten auf Hongkongs Flughafen © AFP

Am Mittwochmorgen harrten nur noch eine Handvoll Demonstranten auf dem Großflughafen aus. "Der Airport ist unser letztes Druckmittel", sagten sie AFP. Da die Proteste keinen Anführer haben, war unklar, ob sie später am Mittwoch fortgesetzt werden.

Am Montag und Dienstag hatten tausende Demonstranten den Hongkonger Flughafen besetzt. Die Check-ins an einem der wichtigsten Drehkreuze der Welt wurden wegen der Blockade ausgesetzt, hunderte Flüge fielen aus.

Die zunächst friedliche Protestaktion artete zunehmend in Gewalt aus. Demonstranten errichteten mit Gepäckwagen Barrikaden, um Passagiere aufzuhalten. Am Dienstagabend gab es Handgemenge zwischen Demonstranten und Passagieren, die in ihre Flieger steigen wollten. Der 25-jährige Michael, ein Tourist aus Dubai, sagte, er aber Verständnis für den Kampf der Demonstranten um Freiheit. Die Fluggäste hätten aber "nichts zu tun mit dem, was passiert" und dürften nicht attackiert werden.

Am späten Abend drängten Sicherheitskräfte Demonstranten mit Pfefferspray und Schlagstöcken zurück, als sie einen verletzten Mann aus dem Flughafen brachten. Der Verletzte war in dem Airport mehr als zwei Stunden von Aktivisten festgehalten worden, weil diese ihn für einen verdeckt ermittelnden Polizisten hielten.

Ein Polizist wurde von Demonstranten eingekreist und geschlagen. Sie ließen erst von dem Beamten ab, als dieser seine Waffe zog und auf die Demonstranten zielte. Er gab jedoch keinen Schuss ab.

Einige Demonstranten verprügelten außerdem einen weiteren Mann, dem sie vorwarfen, ein "Spion" zu sein. Nach Angaben der chinesischen Zeitung "Global Times", welche die Proteste heftig kritisiert hatte, handelte es sich um einen ihrer Reporter.

Die seit zehn Wochen anhaltenden Demonstrationen in Hongkong haben sich mittlerweile zu einer Bewegung gegen den wachsenden Einfluss Pekings in der Sonderverwaltungszone und für mehr Demokratie entwickelt. Am Montag brachte ein Vertreter der Regierung in Peking die Proteste erstmals mit "Terrorismus" in Verbindung. Chinesische Staatsmedien legten am Dienstag nach. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua sprach in einem Kommentar von "gewalttätigen Radikalen", die Hongkong in den "Abgrund" trieben.

US-Präsident Donald Trump mahnte am Dienstag eine gewaltfreie Lösung der Krise an. Die US-Geheimdienste hätten ihn darüber informiert, "dass die chinesische Regierung Truppen an die Grenze zu Hongkong verlegt", erklärte Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Ich hoffe, dass niemand getötet wird", sagte der US-Präsident vor Journalisten in Morristown im Bundesstaat New Jersey.

Zuvor hatten chinesische Medien berichtet, dass das chinesische Militär gut zwei Dutzend gepanzerte Truppentransporter und andere Militärfahrzeuge nach Shenzhen entsandt habe, eine Stadt an der Grenze zu Hongkong. Dort sollten "groß angelegte Übungen" stattfinden, schrieb die "Global Times".

Die chinesische Regierung macht zunehmend dem Westen Vorwürfe, dass er die Proteste in Hongkong fördere. Ein Sprecher der US-Pazifikflotte teilte am Dienstag (Ortszeit) mit, dass China zwei US-Marineschiffen die Einfahrt in den Hafen von Hongkong untersagt habe. Demnach sollte das Docklandungsschiff "USS Green Bay" eigentlich kommenden Samstag einen Zwischenstopp in der chinesischen Sonderverwaltungszone einlegen, der Kreuzer "USS Lake Erie" sollte kommenden Monat in Hongkong einlaufen.

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