Bundesregierung sieht kein akutes Risiko für Deutschland

Neuartiges Coronavirus breitet sich in China überraschend schnell aus

Peking (AFP) - Die mysteriöse Lungenkrankheit in China breitet sich überraschend schnell aus: Nicht nur, dass in der "Ursprungsstadt" Wuhan mehr als hundert Menschen neu mit dem Coronavirus infiziert wurden. Erstmals trat der Erreger nach Angaben der Behörden vom Montag auch in anderen Landesteilen auf, unter anderem in Peking. Insgesamt gebe es schon mehr als 200 Infizierte, drei Menschen seien gestorben. Auch in Südkorea wurde das Coronavirus erstmals nachgewiesen.
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China meldet 17 neue Fälle von mysteriöser Lungenkrankheit © AFP

Insgesamt gaben die chinesischen Behörden fast 140 weitere Fälle von Erkrankungen bekannt, bisher war immer nur von einigen Dutzend die Rede. Damit wurde nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders CCTV inzwischen bei 217 Patienten in der Volksrepublik der mysteriöse Erreger diagnostiziert. 170 von ihnen wurden weiterhin in Krankenhäusern in der zentralchinesischen Elf-Millionen-Metropole Wuhan behandelt, wo nach Angaben der Gesundheitsbehörden ein dritter Todesfall auftrat. Der Zustand von neun Patienten sei ernst.

In der Hauptstadt Peking wurden fünf Patienten wegen Lungenentzündung behandelt, welche die Ärzte auf das neuartige Virus zurückführten. Zudem wurde am Montag ein erster Fall aus Shanghai bekannt. Auch die südchinesische Provinz Guangdong meldete 15 Fälle.

Angesichts der Entwicklung schaltete sich am Montag erstmals Chinas Staatschef Xi Jinping ein. Der Präsident habe "wichtige Anweisungen gegeben, damit der Ausbreitung der Epidemie mit aller Kraft Einhalt geboten wird", verkündete CCTV. Das Retten von Menschenleben habe "oberste Priorität". Zugleich forderte der mächtigste Mann der Volksrepublik die Behörden auf, "Informationen zeitnah zu veröffentlichen und die internationale Zusammenarbeit zu vertiefen".

Auch in Südkorea wurde das neuartige Coronavirus erstmals diagnostiziert. Betroffen ist eine 35-jährige Chinesin, die sich zuvor in Wuhan aufgehalten hat.

Die Hiobsbotschaft von der Ausbreitung des Virus kam wenige Tagen vor dem chinesischen Neujahrsfest am kommenden Wochenende. Rund um das Fest sind jedes Jahr Millionen Chinesen per Zug, Bus oder Flugzeug im Land und ganz Asien unterwegs, was potenziell das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Virus steigert.

Das Londoner Zentrum für die Analyse globaler Viruserkrankungen schätzt ohnehin, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten schon jetzt deutlich höher liegt als von Peking angegeben: Es teilte am Freitag mit, dass es von mehr als 1700 Infizierten ausgehe.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Wuhan war das Virus zuerst im Dezember auf einem dortigen Fischmarkt aufgetreten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nach offiziellen Angaben nicht nachgewiesen. Allerdings könne "nicht ausgeschlossen" werden, dass es noch dazu komme.

Für Deutschland besteht nach Einschätzung der Bundesregierung derzeit keine akute Gefahr. Das Bundesgesundheitsministerium verwies auf eine Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, wonach das Risiko für Deutschland "sehr gering" sei. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich das Virus leicht von Mensch zu Mensch überträgt", sagte ein Sprecher. Der Ausbruch der Krankheit sei aber "Grund für besondere Beobachtungen und Analysen".

Das neue Virus stammt aus der Erregerfamilie, zu der auch der tödliche Sars-Erreger gehört. An der Sars-Epidemie waren in den Jahren 2002 und 2003 knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie knapp 300 weitere in Hongkong gestorben.

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