Fieberambulanzen und Schnelltests sollen verstärkt eingesetzt werden

Neue Teststrategie soll Ausbreitung des Coronavirus wieder eindämmen

Berlin (AFP) - Mit massenhaften Corona-Schnelltests, neuartigen Fieberambulanzen und der verschärften Kontrolle von Reiserückkehrern will die Bundesregierung die weitere Ausbreitung des Virus eindämmen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte am Montag die Grundzüge einer neuen Teststrategie vor, mit der er dem erwarteten Anstieg der Infektionszahlen im Herbst und Winter entgegentreten will. Sie soll Mitte Oktober in Kraft treten.
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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn © AFP

An die neuen Fieberambulanzen sollen sich Patienten mit Atemwegssymptomen wenden können, sagte Spahn in Berlin. So solle vermieden werden, dass sich das Virus in den Wartezimmern von Arztpraxen ausbreitet. Die Ambulanzen sollten sich entweder außerhalb von Praxen befinden, oder es sollten spezielle Schwerpunktsprechstunden in den Praxen angeboten werden.

Weiterer Bestandteil der neuen Strategie sollen Schnelltests sein. Sie sollten beispielsweise für die Besucher von Pflegeheimen angeboten werden, sagte Spahn. So könne "innerhalb von 15, 20 Minuten vor Ort durch eine Speichelprobe oder einen Nasenabstrich" festgestellt werden, ob jemand infiziert ist oder nicht, sagte der Minister im Deutschlandfunk. Diese Tests wolle er "eher millionenfach jeden Monat einsetzen".

Ein Sprecher von Spahns Ministerium räumte ein, dass diese Schnelltests noch nicht so verlässlich seien wie die herkömmlichen Tests. "Sie sind eine Ergänzung", sagte er. Zum Einsatz kommen könnten sie etwa auch bei Reiserückkehrern und bei Gesundheitspersonal.

Flugreisende aus dem Ausland sollen ab Ende September nach der Landung in Deutschland strenger kontrolliert werden, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums. Die so genannten Aussteigerkarten mit Informationen zum Reiseverlauf sollen nach der Landung von der Bundespolizei kontrolliert und dann an die Gesundheitsbehörden weitergegeben werden. Bislang hatten die Fluggesellschaften die Karten direkt an die Gesundheitsbehörden weitergegeben.

Regierungssprecher Steffen Seibert zeigte sich besorgt über die steigenden Infektionszahlen: "Ein weiterer Anstieg ist auf keinen Fall auszuschließen." Er verwies darauf, dass sich das Virus in anderen europäischen Ländern wieder "beinahe unkontrolliert" ausbreite. Bei den gegenwärtigen Infektionszahlen in Deutschland werde es "immer schwieriger, die Nachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten zu leisten".

Seibert stellte baldige Spitzenberatungen von Bund und Ländern in Aussicht: Angesichts der aktuellen Lage sei es "sinnvoll, dass Bund und Länder auf Chefebene wieder zusammenkommen".

Spahn appellierte an die Länder, sich an den verabredeten Verzicht auf weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu halten. "Ich wünsche mir sehr, dass wir ein gemeinsames Verständnis dafür entwickeln, was die Vereinbarung 'keine weiteren größeren Öffnungsschritte' tatsächlich heißt", sagte er. Er zeigte Unverständnis für Diskussionen über eine mögliche Wiedereröffnung von Clubs oder Bars.

Die zum Corona-Hotspot gewordene bayerische Landeshauptstadt München schränkte das öffentliche Leben wieder ein. Ab Donnerstag dürfen sich in der Regel nur noch fünf Menschen treffen, private Feiern werden begrenzt, für einige öffentliche Plätze gilt eine Maskenpflicht, wie der örtliche Krisenstab beschloss.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock verwies darauf, dass ihre Partei "seit Monaten" eine umfassende Corona-Strategie für Herbst und Winter anmahne. Es gehe darum, wegzukommen von "Einzelvorschlägen und Einzelmaßnahmen". Gebraucht werde ein Pandemierat. Bei Vorschlägen wie etwa zu den Fieberambulanzen müsse mitbedacht werden, dass dafür auch das Personal zu Verfügung steht.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte den Vorschlag von Fieberambulanzen, mahnte aber eine weitergehende Unterstützung von Pflegeeinrichtungen an. Es müssten "mobile Corona-Einsatzteams" zur Verfügung gestellt werden, um akute Personallücken in den Heimen zu schließen, sagte Vorstand Eugen Brysch. "Es darf sich nicht wiederholen, dass infizierte Pflegekräfte weiterarbeiten, nur weil es keinen Ersatz gibt."

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