Beamter soll verhängnisvollen Befehl gegeben haben

Neue Vorwürfe gegen Polizei nach Loveparade-Tragödie

Hamburg (AFP) - Rund ein halbes Jahr nach der Duisburger Loveparade-Katastrophe sind neue Vorwürfe gegen die Polizei laut geworden. Laut "Spiegel" berichteten Ordner, die an der westlichen Einlasskontrolle des Veranstaltungsgeländes im Einsatz waren, übereinstimmend von einem womöglich verhängnisvollen Befehl eines leitenden Polizisten. Der Beamte habe am Nachmittag des 24. Juli 2010 die komplette Öffnung der Eingangsschleuse befohlen, obwohl die Veranstaltungsleitung zuvor deren Schließung angeordnet habe - weil schon zu dieser Zeit eine Überfüllung des Party-Areals drohte.
Am Unglücksort einen Tag nach der Loveparade-Tragödie Bild anzeigen
Am Unglücksort einen Tag nach der Loveparade-Tragödie © AFP

Während der Loveparade war am überfüllten Zugangstunnel eine Massenpanik ausgebrochen. 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Wegen der Tragödie auf dem Gelände des früheren Duisburger Güterbahnhofs ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit gegen 16 Verdächtige. Dabei handelt es um Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung, des Loveparade-Veranstalters Lopavent und der Polizei.

Ein Ordner sagte dem "Spiegel" zu der angeblichen Anordnung des leitenden Polizisten: "Unsere Einwände, dass es dadurch zu einem Stau im Eingangstunnel kommen wird, hat der Beamte nicht gelten lassen." Die Ordner hätten "seiner Anweisung Folge leisten" müssen. Der Polizist habe den Kreuzungsbereich vor der Absperrung entlasten wollen. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich mehrere tausend Raver vor der Kontrollstelle gedrängt, Hunderte seien dann in den Tunnel geströmt, in dem sich die Tragödie ereignete.

Laut "Spiegel" erklärte ein Sprecher des Düsseldorfer Innenministeriums, die Staatsanwaltschaft müsse prüfen, ob die Anordnung zur Schleusenöffnung tatsächlich erfolgt sei und "später zur Katastrophe beigetragen" habe.

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