52-Jähriger wertet Wahlergebnis trotz Verfehlens der 90-Prozent-Marke als Erfolg

Neuer CSU-Chef Söder will Partei wieder breiter aufstellen

München (AFP) - Der neue CSU-Vorsitzende Markus Söder will seine Partei wieder breiter aufstellen. "Wir sind Modernisierer und Bewahrer in einem", sagte Söder am Samstag auf dem Parteitag der Christsozialen in München. Das Konservative, das Liberale und das Soziale sollten sich wieder gleichberechtigt in der Parteiarbeit wiederfinden. Mit einem Ergebnis von 87,4 Prozent erhielt Söder allerdings bei seiner Wahl zum Nachfolger von Horst Seehofer einen Dämpfer.
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Der neue CSU-Vorsitzende Markus Söder © AFP

Seehofer hatte die CSU gut zehn Jahre geführt. Bei seiner ersten Wahl im Jahr 2008 war mit 90,3 Prozent gewählt worden. Auch für Söder galt deshalb im Vorfeld ein Ergebnis von mindestens 90 Prozent als Zielmarke. Er verpasste dies mit 674 von 771 gültigen Stimmen.

Söder wertete das Ergebnis trotz des Verfehlens der 90 Prozent als Erfolg: "Wir haben schwere Zeiten hinter uns und umso mehr freut mich jetzt euer Vertrauensvorschuss." Er hatte als Ministerpräsident bei der Landtagswahl im Oktober die absolute Mehrheit verloren. Nach einer von der "Bild am Sonntag" veröffentlichten Emnid-Umfrage glaubt eine Mehrheit von 57 Prozent der Deutschen nicht, dass Söder die CSU zu alter Stärke führen kann.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gratulierte Söder in einem Grußwort auf dem Parteitag zu einem "sehr, sehr ehrlichen Ergebnis". Ihren bisherigen Vorsitzenden Seehofer verabschiedete die CSU mit einer besonderen Ehre: Der Parteitag wählte ihn auf Söders Vorschlag zum Ehrenvorsitzenden. Seehofer ist damit nach Edmund Stoiber und Theo Waigel der dritte CSU-Ehrenvorsitzende.

In seiner Abschiedsrede schrieb Seehofer seiner Partei das Kümmern um die sogenannten kleinen Leute ins Stammbuch. Wenn er überhaupt einen Wunsch für die Zukunft äußern dürfe, dann sei dies: "Verachtet mir die kleinen Leute nicht."

Söder sagte, er wolle die CSU zu einer "Schutzmacht" der Menschen gegen globale Herausforderungen machen. Im Bayerischen Fernsehen zeigte sich Söder auch in familienpolitischen Fragen offen für einen liberaleren Kurs. Auf die Frage, ob gleichgeschlechtliche Partnerschaften zum Familienleitbild der CSU gehörten, sagte er: "Wir sind offen für jede neue Familienform." Die CSU schließe niemanden aus. "Wir sagen: Verantwortung für Kinder ist das, was Familie stark macht."

Zu einem Schwerpunkt seiner Parteitagsrede machte Söder das zuletzt schwer belastete Verhältnis zur Schwesterpartei CDU. "Wir brauchen in der Zusammenarbeit von CDU und CSU eine neue Form, ein neues Kapitel, das wir aufschlagen". Er wolle "Profil mit Stil". Leitmotiv für das Jahr 2019 könnte "Effizienz statt Effekt" sein.

Auch Kramp-Karrenbauer betonte den Zusammenhalt von CDU und CSU: "Wir sind, wir waren und wir bleiben eine politische Familie."

Der Spitzenkandidat der europäischen Konservativen bei der Europawahl, Manfred Weber (CSU), warnte in seiner Parteitagsrede vor einem Erfolg der Europagegner. Es könne passieren, dass bei der Wahl am 26. Mai eine Mehrheit herauskomme, die aus Nationalismus und Egoismus die bisherige Partnerschaft in der Europäischen Union ablehne.

Weber mahnte, er wolle nicht, dass die Menschen am Tag nach der Europawahl aufwachen und feststellen, "dass dieser Kontinent am Rutschen ist". "Wir als CSU nehmen die Europawahl ernst", betonte Weber. Die CSU wolle das Europa, das ihr wichtig ist, verteidigen.

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