Ergebnisse aus anderen Ländern stehen noch aus

Noroviren womöglich Ursache für tausende kranke Kinder

Dresden (AFP) - Das massenhafte Auftreten von Magen-Darm-Infekten bei Kindern in Ostdeutschland sorgt weiter für Rätselraten: Bei der Suche nach dem Verursacher gibt es in Thüringen aber erste Hinweise auf Noroviren, wie das Sozialministerium in Erfurt mitteilt. Die Zahl der Erkrankungsfälle stieg unterdessen auf 6700; Bund und Länder richteten eine gemeinsame Koordinierungs- und Ermittlungsgruppe ein.

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Infekte: Geschlossenes Gymnasium in Chemnitz © AFP

Allein in Berlin waren bis Freitagmittag nach Angaben der Gesundheitsstaatsekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) 2176 Erkrankungsfälle bekannt. Ein Kind wird noch im Krankenhaus behandelt. Betroffen sind in der Hauptstadt insgesamt 58 Schulen und 22 Kindergärten. Eine Schule und eine Kita blieben heute geschlossen. Der Berliner Infektionsschutzbeauftragten Marlen Suckau zufolge stehen als Auslöser der Infektionswelle zwei Thesen im Raum: Noroviren oder ein Giftstoff. Ein endgültiges Ergebnis liegt noch nicht vor.

Noroviren sind hoch ansteckend. Sie verursachen Erbrechen, starke Durchfälle und führen zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust. Kleine Kinder und Senioren sind besonders stark betroffen. Deshalb gibt es immer wieder akute Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäusern und Altenheimen.

In Sachsen wurden bis Freitagmittag rund 2000 Erkrankungsfälle in elf Landkreisen bekannt, wie das Gesundheitsministerium in Dresden mitteilte. 17 Schulen und Gymnasien wurden bislang vorsorglich geschlossen. Aus Brandenburg wurden 1749 Fälle gemeldet. In Thüringen wurden nach Angaben des Sozialministeriums bis Freitagvormittag 764 Erkrankungen in 34 Einrichtungen gemeldet - Tendenz weiter steigend. Drei der vier Kinder, die in den vergangenen Tagen im Krankenhaus behandelt werden mussten, konnten inzwischen wieder entlassen werden.

Die Erkrankungswelle mit Erbrechen und Durchfall hatte Dienstagabend begonnen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind alle Fälle auf Kantinenessen in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zurückzuführen, die offenbar von ein und demselben Lieferanten mit Essen versorgt werden. "Deshalb weist alles auf einen lebensmittelbedingten Ausbruch hin", sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher.

Das Catering-Unternehmen Sodexo wies eine Mitverantwortung zurück. Es gebe "nach wie vor keinen logischen Zusammenhang zwischen den Lieferanten und den aufgetretenen Krankheitsfällen", die auf Essenslieferungen als Ursache hindeuteten, erklärte das Unternehmen. Nur bei einem geringen Teil der belieferten Einrichtungen seien Erkrankungsfälle aufgetreten. Die zuvor bereits angewiesenen erhöhten Hygienemaßnahmen würden aber vorläufig beibehalten.

Der Bund und die betroffenen Länder richteten eine "Task Force" unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein, wie das Bundesverbraucherschutzministerium am Freitag mitteilte. Die Prüfung der Waren- und Lieferwege möglicherweise betroffener Lebensmittel werde auch über das Wochenende mit Hochdruck fortgesetzt. Auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) wurde eingeschaltet. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, Ziel müsse es sein, die Ursache der Erkrankungen schnellstmöglich zu finden und den Eintrag in die Lebensmittelkette zu stoppen.

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