Leserbrief zum geplanten Bereitstellungslager

Planung neu überprüfen

Das Auswahlverfahren ist unfair, sachlich falsch, unehrlich und moralpolitisch zweifelhaft.
Was die Betreibergesellschaft (BGZ) bisher an Gründen vorgetragen hat und was aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) zusätzlich verlautete, lässt nur den Schluss zu, dass ein Konditionierungslager für den schwach- und mittelradioaktiven Müll der gesamten Bundesrepublik Deutschland in Würgassen bundespolitisch auf Biegen und Brechen rücksichtslos durchgesetzt werden soll. Die Entscheidung ist schon längst gefallen und die Kriterien werden jetzt an den Standort angepasst.
Hierbei werden die harten Kriterien der Entsorgungskommission (ESK) nämlich
- eine Anbindung an eine zweigleisige schwerlasttaugliche elektrifizierte Bahntrasse und
- schwerlastgeeignete Straßenverbindungen
mit logistischen, dem Standort angepassten Lösungen umgangen.
Dies lässt Erinnerungen an die Auswahlverfahren in Gorleben, Brokdorf und Frankenberg wieder unrühmlich wach werden.
Verwerflich ist auch die Ausklammerung des Landes Niedersachsen auf Grund einer willkürlichen politischen Zusage, dass das Territorium des Landes Niedersachsen nicht mit einbezogen wird. Damit scheiden viele mögliche Standorte ausschließlich auf Grund politischen Willens und nicht nach Prüfung sachlicher Kriterien aus.
In der Presse wird bisher gern die Bewertung des Öko-Institutes, das nach Entscheidung für den Standort Würgassen in das Verfahren eingeführt wurde, zur positiven Begründung für Würgassen angeführt. Das ist unehrlich, denn die Bewertung des Öko-Institutes endet mit den Worten, dass eine abschließende Bewertung noch nicht möglich ist und mit den Ausführungen lediglich ausgedrückt wird, dass die Bewertung des Öko-Institutes keinen Ausschluss für Würgassen bedeutet.
Sicher ist, dass angelieferte Gebinde in einem Konditionierungslager für die Endlagerung im Schacht Konrad vorbereitet, geprüft, eventuell auf Eignung untersucht und zu neuen Einlagerungschargen zusammengestellt werden müssen. Die Vorgaben zur Einlagerung im Schacht Konrad sind strahlungs- und wärmetechnisch sehr komplex und zudem an die Bergwerksgegebenheiten anzupassen. Dies kann unzweifelhaft den Dokumentationen zu Schacht Konrad, der Entsorgungskommission und auch der BGZ entnommen werden. Erstaunlicherweise behauptet das BMU in einer Stellungnahme vom 03.08.2020 genau das Gegenteil, nämlich das die Gebinde einlagerungsfähig in Würgassen angeliefert werden. Ich habe den Eindruck, die Bevölkerung des wunderschönen Weserberglandes, das sich gerade von den schädlichen Auswirkungen des AKW Würgassen erholt, ganz bewusst getäuscht wird, um Würgassen als Standort durchzusetzen.
Auch wenn es viele Befürworter des Schacht Konrad nicht gern hören wollen, muss sicherlich bedacht werden, dass der Schacht Konrad zwar eine genehmigte Endlagerstätte ist, deren Genehmigung aber bedeutet, dass der eingebrachte Atommüll abgeschlossen eingebracht wird und auch bei etwaig in späterer Zeit auftretenden Gefahren durch z. B. Korrosion und Verseuchung des Grundwassers kein Einfluss mehr genommen werden kann. Dies ist der entscheidende Grund, weshalb der Schacht Konrad heute nicht mehr genehmigungsfähig wäre. Heute wird ein Bergwerk wegen der fehlenden Möglichkeit der Rückholung des Mülls als Endlager nicht mehr vorgesehen. Da im Konrad bisher noch nicht eingelagert ist, muss sich für jeden politisch Verantwortlichen die Frage stellen, ob man tatsächlich unwiederbringlich im Konrad einlagern will und die Risiken den nachfolgenden Generationen für Jahrhunderte überlässt oder noch einmal einige Jahre in eine neue Suche investiert, um eine geeignetere Entsorgung zu finden..
Ich könnte mich im Hinblick auf die Sicherheit der Bevölkerung und die Generationengerechtigkeit nur für die zweite Variante verantwortlich entscheiden.
Darum darf es ein Konditionierungslager in Würgassen nicht geben.

Volker Bertram
Höxter

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