Seniorenpunk im Korbmacher Museum

Poetry-Slam und Musik

Von Peter Vössing
Dalhausen – Ein Mix aus Poetry-Slam und Musik der Marke Punk, Bluesrock und 80er Jahre Pop präsentierte der Höxteraner Burkhard Battran auf Einladung der Kulturgemeinschaft Beverungen erstmalig auf der Bühne des Dalhauser Korbmacher Museums.

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Seniorenpunker Burkhard Battran.

© Foto: Vössing

Gespannt war die Erwartungshaltung der ca. 50 Zuschauer, die zu Beginn der Veranstaltung nicht im Geringsten wussten, was auf sie zukam. Wer den Höxteraner Kultur-Journalisten kennt, der weiß, dass dieser mit der Combo „Land am Rand“ den ersten Weltkulturerbe-Song für Höxter geschrieben und komponiert hatte und dabei durchaus in der Lage ist, sich selbst auf die Schippe zu nehmen.
Als erste Handlung auf der Bühne nachdem er den wohl ältesten Dalhauser Seniorenpunker Heiner Hussong begrüßt hatte, brachte der Höxteraner drei Töne auf seinem Instrument zum Klingen und erläuterte: „Diese Töne klingen ganz schön depressiv, das ist nämlich A-F-D“. Das war der Icebreaker und schon wussten auch die Zuschauer, was an diesem Abend auf sie zukam.
Zwei Jahre lang hatte der 54-Jährige an den Texten zu seinem Programm geschrieben, bei denen sich fast alles um die Musik drehte. Die Texte waren subtil ironisch und beschreiben eine Retrospektive seines Lebens, bei dem sich viel um sein Steckenpferd, die Musik, dreht. Zunächst wurde Battran aber erst einmal hochaktuell und erläuterte auf seine Art sowohl den Börsengang des Musikstreamingdienstes „Spotify“, bei dem jetzt eigentlich jeder Musiker einsteigen müsse. Er ließ kein gutes Haar am Auszeichnungsgeschacher bei der Echo-Verleihung und kam zu dem Schluss, dass die drei größten Plattenfirmen unter sich die Echos aufteilen, Beatrice Egli unbedingt berücksichtigt werden müsse und überhaupt, Helene Fischer eigentlich immer bedacht wird und dafür sogar extra neue Kategorien geschaffen wurden.
Battran erzählte unerbittlich und komisch im Stile von Heinz Strunk und wusste seine Vorträge geschickt durch musikalische Einlagen aufzufrischen. Dabei war er nicht auf fremde Kompositionen angewiesen, sondern überzeugte durch eigene Werke. Allerdings waren die wenigsten davon extrem punkig. Die Lieder erinnerten eher an Chansons alte Rockballaden oder 80er-Jahre Pop.
Die Ausnahme war allerdings der Animals-Klassiker „The House of the Rising Sun“. Er wusste über die verhasste Zupftechnik bei diesem Lagerfeuer-Song zu berichten und die damit verbundenen Knutschabende. Schnell kam er in dem Zusammenhang auch auf seine alte Stoffhosen-Phobie zu sprechen, da damals sowieso jeder nur eine Jeans besaß. Letztlich sang er seine eigene Fassung des Oldies, bei dem es um das Überfahren von Katzen in lokalen Ortschaften mit Durchfahrtstraßen ging. In jeder Strophe kam ein anderer Ort des Kreises Höxter vor.

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Burkhard Battran (r.) und seine „Schülerband“.

© Foto: Vössing


Battran trug in seinen Texten auch etwas über Kurt Feltz, den Dichter des Karnevalsschlagers „Wer soll das bezahlen…“ vor und bezeichnete diesen als Philosophen, der mit dem weltökonomischen Dreisatz „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat soviel Geld?“ die Wurzel allen Übels treffend beschreibt. Allerdings kritisierte er die Karnevalsmelodie und gab seine ureigene Version mit seiner Band, die sich mittlerweile zu ihm gesellt hatte, zum Besten. Die Musiker setzen sich aus alten Bekannten zusammen. Im Prinzip ist es seine alte Schülerband mit Gitarrist Christoph Frisch, Schlagzeuger Manni Fieseler und Back-Voc-Sängerin Annette Fieseler. Von der Tonenburg-Session-Initiative ist Sängerin und Songwriterin Marita Klinke aus Boffzen zentrale Bühnenpartnerin. „Das musikalische Rückgrat ist mein Schwiegerbruder Hanni Otto - the best Bass ever“, erklärte Battran.
Die Zuschauer genossen die musikalische Literaturperformance sehr und honorierten die Leistung aller mit viel Beifall. Burkhard Battran überlegt im Moment, ob er sein Lesekonzert nicht in Form eines Hörbuches auf den Markt bringen soll.

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