Gauck lobte den Ansatz des von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung ins Leben gerufenen Stipendienprogramms, mit dem engagierte junge Zuwanderer unterstützt werden sollen. Das Ergebnis habe ihn "beeindruckt und berührt", sagte der Präsident. Die Botschaft dieses Programms laute: "Wir glauben an Euch! Nicht nur als Fachkräfte von morgen, sondern als Bürger, Menschen an unserer Seite, hier in diesem, unserem Land." Wer eine solche Botschaft annehme und verinnerliche, werde spüren: "Wenn von 'uns' die Rede ist, schließt dieses Wort tatsächlich alle mit ein."
Deutschland habe schon jetzt Bewohner jeder denkbaren Herkunft und Religion, sagte Gauck. An Äußerlichkeiten lasse sich die Zugehörigkeit zu einer Nation kaum noch feststellen. "Umso wichtiger ist die empfundene und tatsächliche Zugehörigkeit zu unserem Staat und zu unserer Gesellschaft", zeigte sich der Bundespräsident überzeugt. Mit dieser Zugehörigkeit könne "ein fruchtbares, manchmal auch streitbares Miteinander der Verschiedenen gedeihen."
Gauck forderte die Stipendiaten auf, die erfahrene Ermutigung an andere weiterzugeben. Er appellierte dabei ausdrücklich an sie, Lehrer zu werden. "Es gibt so viele Schulen, die Unterstützung brauchen", sagte der Präsident. In Frankfurt etwa habe fast die Hälfte der Jugendlichen eine Zuwanderungsgeschichte. In einigen Jahren würden solche Biografien die Mehrheit sein. Die Lehrerzimmer seien darauf noch nicht überall vorbereitet. Die jungen Migranten seien insgesamt mit ihren besonderen Lebensläufen gerade für die Arbeitswelt in Zeiten der Globalisierung gut gerüstet.
Der Bundespräsident appellierte an die Zuwanderer, sich auch für die demokratische Ordnung einzusetzen. Eine solche demokratische, freiheitliche Grundlage sei "keineswegs selbstverständlich und will immer wieder verteidigt und manchmal auch erkämpft sein." Es dürfe keine Parallelgesellschaften oder gar Gegenkulturen geben. "Auch dabei erwarte ich ihre Mitwirkung", sagte Gauck.
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