Poe-Lesung in der Stadtbücherei

Schaurige Verse im Gewölbekeller

Von Michael Rubisch

Hofgeismar – Schaurige und gruselige Verse erklangen im Gewölbekeller der Stadtbücherei Hofgeismar. Stefan Schael las Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe und ließ dem Publikum dabei den ein oder anderen Schauer über den Rücken laufen.

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Stefan Schael las in der Stadtbücherei Geschichten von Edgar Allan Poe.

© Foto: Rubisch

„Ich hoffe, Sie können heute Nacht noch gut schlafen“, mit diesen Worten verabschiedete Schael das Publikum am späten Freitagabend aus der Stadtbücherei. Dieses hatte zuvor drei schaurige Kurzgeschichten des US-amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe zu hören bekommen. Die eingängige und fantastische Stimme Schaels und seine Art des Vortragens waren dabei brillant.
Als stünde er geradezu neben dem Protagonisten, so fühlte sich der Zuhörer in „Die Grube und das Pendel“. Poe beschreibt in seiner Kurzgeschichte die Qualen, die ein zum Tode verurteilter Gefangener der spanischen Inquisition ertragen muss. Dieser fällt nach dem Urteilsspruch in Ohnmacht und wacht auf einem feuchten Steinboden in einem völlig dunklen Raum wieder auf. Nach einiger Zeit versucht er sich zu orientieren und tastet sich an den kalten, glatten Steinmauern seines Gefängnisses entlang, bis er zu seinem Anfangspunkt zurückkehrt. Bei dem Versuch, den Raum zu durchqueren, stolpert er und fällt mit dem Gesicht voran auf den Boden. Dieser Sturz stellt sich kurze Zeit später als Glücksfall heraus, denn er erkennt, dass direkt vor ihm ein tiefer Brunnen liegt, in den er nur weniger Zentimeter später gefallen wäre.
Bereits jetzt lauschten die Zuhörer gebannt den Lippen Schaels. Doch die Qualen des Gefangenen sind noch lange nicht zu Ende. Immer wieder neue Erkenntnisse reifen in ihm heran und treiben ihn schier in den Wahnsinn. Nach einem kurzen Schlaf findet er sich gefesselt wieder und ein großes Pendel schwingt an der Decke hin und her. Ratten, von seinem Essen angelockt, tauchen auf und das Pendel nähert sich ihm mit fortschreitender Zeit an.
Schaels stimmliche Präsenz verstärkt die Wirkung des Inhalts der Worte. Es ist still im Gewölbekeller. Ein markerfüllender Schrei ertönt. In diesem Moment trifft das Pendel zum ersten Mal auf die Fesseln des Gefangenen. Doch damit findet die Geschichte immer noch kein Ende.
Ein schaurig schönes Lesevergnügen endet nach knapp 120 Minuten mit „Der Rabe“ und „Das verräterische Herz“.

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