SPD fordert Stellungnahme der Ministerin

Schavan wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck

Berlin (AFP) - Die Opposition setzt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wegen der Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit unter Druck. Politiker von SPD und Grünen verlangten eine gründliche Prüfung der Arbeit sowie eine Stellungnahme der Ministerin. Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit vor rund dreißig Jahren Quellen teilweise nicht ausreichend deutlich gemacht zu haben.
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Schavan © AFP

Für Schavan als Bildungsministerin gälten "besondere Maßstäbe", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, der "Bild am Sonntag". Die Ministerin habe "Vorbildfunktion für alle Studierenden". Sie müsse selbst das größte Interesse daran haben, "dass alle Vorwürfe um ihre Doktorarbeit schnell aufgeklärt werden". Daher solle sie "nicht länger schweigen".

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Dagmar Ziegler, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Sollten die Vorwürfe zutreffen, dann ist Frau Schavan als Ministerin, gar als Wissenschaftsministerin nicht zu halten".

In dem Internet-Blog schavanplag.wordpress.com wird die Ministerin wegen ihrer Zitierweise kritisiert. Die Autoren werfen ihr vor, auf 56 von 325 Seiten Quellen teilweise nicht ausreichend deutlich gemacht zu haben. Schavan hatte nach dem Studium der Erziehungswissenschaft, der Philosophie und der Katholischen Theologie in Bonn und Düsseldorf 1980 den Doktortitel erworben. Die CDU-Ministerin hatte die Plagiatsvorwürfe bereits vor einigen Tagen zurückgewiesen und sich seither nicht mehr dazu geäußert.

Kritisch äußerte sich auch der unionsnahe Studentenverband RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten). Er verwies darauf, dass Experten die Ernsthaftigkeit der Vorwürfe bestätigt hätten. "Dass eine Bildungsministerin über jeden wissenschaftlichen und moralischen Zweifel erhaben sein muss, ist für uns eine Selbstverständlichkeit", erklärte RCDS-Bundesvorsitzende Frederik Ferreau, der auch Mitglied des CDU-Bundesvorstandes ist.

Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Krista Sager, wies ebenfalls darauf hin, dass Plagiatsexperten die Doktorarbeit von Schavan als Grenzfall bewertet haben. Die Universität Düsseldorf müsse sich nun die Arbeit genau anschauen. Dies hatte die Philosophische Fakultät in Düsseldorf auch auf Bitte der Ministerin hin bereits angekündigt.

Schavan ist seit 2005 Bildungsministerin und zählt zu den engsten Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hatte in der Plagiatsaffäre des zurückgetretenen früheren Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gesagt, sie "schäme" sich deswegen.

In der Union wird Schavan verteidigt. Der baden-württembergische CDU-Vorsitzende Thomas Strobl sagte dem Magazin "Focus": "Ich habe keinen Grund, anzunehmen, dass irgend etwas faul ist an der Doktorarbeit von Annette Schavan." Baden-Württemberg ist die politische Heimat der Ministerin. In Unionskreisen heißt es, Schlamperei oder Täuschung seien bei der als sehr sorgfältig und solide geltenden Schavan eigentlich nicht vorstellbar.

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