Portugals Regierung rechnet mit Ausweitung der Waldbrände

Schwere Unwetter im Westen Deutschlands läuten Ende der Hitzewelle ein

Frankfurt/Main (AFP) - Schwere Gewitter haben im Westen Deutschlands das Ende der Hitzewelle eingeläutet. Am Dienstagabend und in der Nacht zum Mittwoch wüteten vor allem in Hessen teils heftige Gewitter mit Starkregen. Für Freitag wurde deutschlandweit ein Ende der drückenden Hitze erwartet. Auch in Nordfrankreich gab es in der Nacht zum Mittwoch schwere Unwetter, während Spanien und Portugal weiter von Gluthitze und Waldbränden geplagt waren.
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Überschwemmungen im hessischen Kirchhain © AFP

Besonders heftig trafen die Unwetter den hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Hier rückte die Feuerwehr laut einem Sprecher zu fast 400 Einsätzen aus, die meisten davon in der Stadt Kirchhain. Auch in Südhessen gab es heftige Unwetter mit Starkregen. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg hatte die Feuerwehr zahlreiche Einsätze.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagte für Mittwoch weitere Gewitter vor allem im Südosten und Osten Deutschlands voraus. Am Donnerstag soll dann vom Westen her eine Gewitterfront über Deutschland ziehen. Örtlich sei mit Starkregen, Hagel und schweren Sturmböen zu rechnen. Am Freitag werden Temperaturen unter 30 Grad erwartet.

Wegen der Unwetter in Nordfrankreich saßen rund 1500 Menschen am Dienstagabend auf drei Bahnhöfen in der Normandie fest, wie die Bahngesellschaft SNCF mitteilte. In den Départements Somme und Pas de Calais erreichten Böen bis zu hundert Kilometer pro Stunde.

In Spanien stieg die Zahl der Hitzetoten unterdessen auf neun Menschen, darunter ein deutscher Urlauber. Der 40-jährige Deutsche sei während einer Wanderung auf dem Jakobsweg in der westlichen Region Extremadura an den Folgen eines Sonnenstichs gestorben, sagte ein Sprecher der örtlichen Gesundheitsbehörden der Nachrichtenagentur AFP. In einigen Gegenden der Extremadura waren die Temperaturen am Wochenende auf bis zu 46 Grad gestiegen.

In Portugals Urlaubsregion Algarve kämpften weiter hunderte Feuerwehrleute und Soldaten gegen die Waldbrände, die um den im Landesinneren gelegenen Ferienort Monchique wüteten. Mindestens 32 Menschen wurden dort seit dem Ausbruch des Brandes am Freitagabend verletzt, einer von ihnen schwer. Hunderte Bewohner und Touristen mussten die Häuser verlassen, viele konnten aber inzwischen zurückkehren: Nach Angaben der Zivilschutz-Sprecherin Patricia Gaspar waren am Mittwoch noch 180 Menschen von der Evakuierung betroffen.

Die Sorge wuchs auch in den Küstenorten: Am Mittwochnachmittag zog eine dichte Qualmwolke in Richtung der Stadt Silves, die nur rund zehn Kilometer von dem vor allem bei Deutschen und Briten beliebten Badeort Portimão entfernt liegt.

Portugals Ministerpräsident Antonio Costa rechnete nicht mit einem baldigen Ende des Brandes von Monchique. Die Löscharbeiten würden auch "die kommenden Tage" andauern, sagte er bei einer Pressekonferenz am Sitz des Zivilschutzes in Lissabon. Das Feuer werde sich aufgrund des "anhaltenden starken Windes" und "steigender Temperaturen" sowie "sinkender Luftfeuchtigkeit" in den kommenden Stunden weiter ausbreiten.

"Unser nächstes großes Zeitfenster ist die kommende Nacht, das Morgengrauen und der frühe Vormittag", fügte Costa hinzu. "Da müssen wir unseren Einsatz verstärken."

Unterdessen wurde Kritik an der mangelnden Koordination der Brandbekämpfer auf nationaler Ebene laut. Der Chef des nationalen Verbands der Berufsfeuerwehren, Fernando Curto, sagte dem Rundfunksender Renasceneca, ihm sei von einem Kollegen in den Brandgebieten an der Algarve gesagt worden, dass es "völlig unorganisiert" zugehe. "In gewisser Weise versteht keiner den anderen."

Kritik wurde auch am Eukalyptus-Anbau laut, der seit den 70er Jahren im großen Stil im Gebirge von Monchique betrieben wird. Die Wurzeln der von der Papierindustrie genutzten Eukalyptus-Bäume trocknen den Boden aus, die Bäume sind zudem besonders leicht entzündbar.

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