Malerin restaurierte Krippenfiguren

Seelenvolle Gesichter leuchten wieder

Von Barbara Siebrecht
Bad Karlshafen/Beverungen – Die historischen Krippenfiguren sind ein kleiner Schatz der Pfarrei „Heiligste Dreifaltigkeit“. Die Malerin Ariane Zuber, die seit 2006 in Bad Karlshafen wirkt und eine Galerie mit Verkauf von Antiquitäten im Zoll- und Packhaus am historischen Hafen betreibt, erhielt der Auftrag der Pfarrei, die Krippenfiguren zu restaurieren.

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Die Malerin Ariane Zuber restaurierte die Terrakotta-Krippenfiguren.

© Foto: Siebrecht

„Ich habe mich über diesen Auftrag zur Restaurierung sehr gefreut, die historischen Figuren sind ausgesprochen schön mit ihren seelenvollen Gesichtern“, stellte die Malerin fest, die im letzten Jahr eine Marienstatue und die 30 Gipsfiguren der Drenker Krippe auffrischen durfte. Im Herbst 2020 arbeitete sie an den historischen Tonfiguren der Hersteller Krippe. Diese hohlen Figuren bestehen aus Tonguss und sind ca. 120 cm groß. Leider sind die Figuren, die etwa 100 Jahre alt sind, durch Transport und Lagerung beschädigt worden. So musste die Malerin die Hand eines Hirten mit Fingern ergänzen oder ein Gefäß wieder auf die Hand eines Königs montieren. Dazu setzte sie Drahtstifte zur Verstärkung ein, die mit Kunststoffkleber gegen Rost überzogen wurden und mischte sich einen Kleber aus Hasenleim, Gips und mineralischen Pigmenten zur Befestigung und Modellierung fehlender Teile. Die angesetzten Teile mussten einige Tage aushärten und geschliffen werden, bevor die Malerin mit Acryl- oder Leinfarbe die beschädigte Stelle übermalen konnte. Behutsam frischte sie auch verblichene Farben der Glasuren auf oder malte mit Goldfarbe abgegriffene Verzierungen nach. Bei der Restaurierung war es ihr wichtig, möglichst viel des Originals zu bewahren. „Den Figuren darf man ihr Alter ruhig ansehen und auch die Reparaturen dürfen bei näherer Betrachtung zu erkennen sei“, findet sie. Bei der ersten Tonfigur musst Ariane Zuber erst experimentieren und Methoden finden, die wirksam angewendet werden konnten. Dabei griff sie auf Kenntnisse zurück, die sie bei Restaurierungsarbeiten für Antik-Geschäfte in Kassel sammeln konnte.
Die Figurengruppe der Hersteller Kirche, zu der sogar ein Dromedar gehört, wurde von den Benediktinerinnen des Hersteller Klosters „Zum Heiligen Kreuz“ an die Kirchengemeinde Herstelle verschenkt. So ist es unter der Gemeinschaft mündlich überliefert. Schwester Eunike Wilkens, die das Archiv des Klosters führt, konnte folgenden Eintrag dazu finden: „die Figuren sind aus Terrakotta, geliefert von der Firma Walter in Trier, durch Vermittlung des Fräuleins Elisabeth Ostendorf aus Münster; deren Schwägerin, Frau Ostendorf, Münster, schenkte uns die Drei Könige dazu. Nach der Ausmalung unserer Kirche 1922 stand diese Krippe in unserem Konventraum.“ Eine zweite Eintragung lässt vermuten, dass die Krippenfiguren um 1932 an die Kirchengemeinde Herstelle verschenkt wurden. Möglicherweise wird man dazu Eintragungen im Archiv der Kirchengemeinde finden.

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Das Gefäß befestigte die Malerin wieder auf der Hand des Königs. 

© Foto: Siebrecht


Gerne lässt sich die Malerin bei der Arbeit in ihrem Atelier über die Schulter schauen. Wer sich für Kunst und Kunsthandwerk begeistern kann, darf gerne zum Stöbern in den drei Räumen mit 100 m² Ausstellungsfläche plaudern und Tee trinken bei ihre vorbeikommen.

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