Stadthalle Beverungen

Selbstironische Alltagsabenteuer vom Feinsten

Von Marc Otto
Beverungen – Manchmal schlüpfrig, häufig zweideutig, aber immer schonungslos selbstironisch: Jürgen von der Lippe bewies einmal mehr, warum er zu den ganz Großen der deutschen Comedy gehört. Der Urgestein-Künstler, der inzwischen satte 71 Jahre auf dem Buckel hat, brachte die ausverkaufte Beverunger Stadthalle zum Beben – und dies mühelos.

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Jürgen von der Lippe begeistert die ausverkaufte Stadthalle mit Anekdoten, Liedern und anderen Späßen.

© Foto: Otto

Sein mittlerweile 16. Bühnenprogramm „Voll fett“ sorgte für Riesenstimmung und großen Applaus im Saal. Der Titel spielt dabei auf eines der großen Themen des Abends an: Jugendsprache. „Voll fett“, das ist natürlich richtig toll. Und der Comedian stürzte sich mit Begeisterung auf all die bunten Blüten, welche die Jugendsprache in den letzten Jahren so trieb. Ein besonders schönes Wort etwa sei für ihn die „Mandelspülung“, der Zungenkuss. Putzig findet er auch den „Sechser Pasch“, das Zeugnis. Und sein Lieblingstier ist von nun an der „Beamtenwindhund“, die Schildkröte.
„Voll fett“, das mag aber auch zweideutig gemeint sein. Und so beschreibt sich Jürgen von der Lippe auch selbst in Jugend-Slang: Er habe ein Feinkostgewölbe, wobei er wohlmeinend auf seinen Bauch klopft, mit der Blutgruppe Nutella und sei zudem ein Grabverweigerer.
„Senioren-Bashing“ mit Selbstironie: Jürgen von der Lippe nimmt sich gern selbst auf die Schippe. Dabei bezeichnet er sich inzwischen als „altersmilde“: „Ich werde Sie heute abend mit Güte zupflastern. Viele von Ihnen werden nicht mehr derselbe Mensch sein.“ Um ein Beispiel zu wählen, welches mit dem Titel seines Programms harmonisiert: Männliche Kaiserpinguine brüten ihre Eier aus, indem sie sie in ihrer Bauchfalte warm halten. „Für mich wäre das ein Klacks.“
Mit großer Herzlichkeit geht er mit seinem Publikum um, ruft immer wieder zu Stichworten auf und hilft an einer Stelle sogar den anwesenden Journalisten beim Ausleuchten des Saals.
Die Merkwürdigkeiten des Alltags sind seine Stärke. Gern geht er auch unter die Gürtellinie. Fürze etwa wurden an diesem Abend das eine oder andere Mal erwähnt. „Frauen deflatieren auch“, so von der Lippe, „aber anders.“ Bei Männern sei es ein Brrt, bei Frauen ein Pfit. „Leise, aber brandgefährlich.“ Bei Entfaltung, so es in der Öffentlichkeit geschehe, habe der Mann dafür gerade zu stehen.
Auch ein begeisterter Handy-Fotograf ist Jürgen von der Lippe. Die Kombination aus Telefon und Kamera stellt für ihn eine weit größere Errungenschaft dar als etwa der Thermomix. So lockerte der Comedian die Stimmung dann und wann auch mit ein paar Bilderserien auf – meist zur Freude, manchmal zum Schock der Zuschauer.
Und so bewies Jürgen von der Lippe, dass es ihm noch immer gelingt, eine Halle zu füllen und glänzend zu unterhalten. Er selbst, möchte man meinen, hat dabei manchmal sogar den größten Spaß.

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