90.000 Aale in die Weser eingesetzt

Sicherung des Fortbestandes

Von Peter Vössing
Höxter - Im Sinne der Arterhaltung einer Tierart, die früher als „Brotfisch“ der Weser bezeichnet wurde setzte sich die Weserfischereiwirtschaftsgenossenschaft Höxter ein.

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(v.l.) Rainer Wohlfahrt, Kevin Gieffers, Sascha Tengen (Fischzucht Emsland) und Jürgen Fenske beim Einsetzen der Glasaale. Foto: Vössing

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90.000 ca. 3-6 cm lange und nur 0,3-0,4 Gramm schwere Glasaale wurden jetzt von Mitgliedern der Weserfischereiwirtschaftsgenossenschaft Höxter in der Nähe des Corveyer Hafens ausgesetzt.
Der Name der Fische ergibt sich aus der fast durchsichtigen Aussehen. Ein Kilogramm Glasaale (ca. 3.300 Stück) kosten ca. 320 Euro. Insgesamt wurden Tiere im Wert von rund 9.000 Euro ins Wasser gesetzt. Finanziert wurde die Maßnahme im Wesentlichen aus den Pachtabgaben der Angel- und Fischereivereine. Der 40 km lange Weserabschnitt, für den die Genossenschaft zuständig ist, ist zurzeit an 12 Vereine verpachtet. Die Beteiligungshöhe ergibt sich anteilig aus der verpachteten Uferlängen. Die Bezirksregierung fördert die Maßnahme Mitteln der in NRW von Anglern zu entrichtende Fischereiabgabe mit ca. 1.800 Euro. Vor dem Einsetzen wurden die Aale vom Fischzuchtbetrieb Emsland aus Meppen in Höxter angeliefert.
„Aale vermehren sich nur an einem Ort. Die Larven schlüpfen östlich vor Florida in der Sargassosee. Sie schwimmen mit dem Golfstrom Richtung Europa. Nach ca. 3 Jahren erreichen sie die Küsten von Frankreich und England. Hier werden sie vor allem von Fischern mit kleinen Booten abgefangen, die hiermit einen Teil ihres Lebensunterhaltes bestreiten. Die Fänge werden gesammelt und schonend zu den einzelnen Einsatz orten transportiert“, erklärte Rainer Wohlfahrt, der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft, der mit seinem Vorgänger Jürgen Fenske und Kevin Gieffers (Jugendwart des Fischereivereins Oberweser/Beverungen) bei der Aktion dabei war.

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In Styroporbehältern wurden die Glasaale über die Straße zum Einsetzort gebracht.

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Nach Aussage der Aallieferanten seien in diesem Jahr erfreulicherweise deutlich mehr Aallarven vor den Küsten Frankreichs angekommen. Auch in der Weser kann zurzeit eine leicht positive Entwicklung der Aalbestände festgestellt werden, was sicherlich auch auf die dauerhaften Besatzmaßnahmen der Genossenschaften und Angelvereine zurückzuführen ist.
Normalerweise würden die Aale von Frankreich aus über die Nordsee in die einmündenden Flüsse schwimmen und bis in die Oberläufe und Bäche aufsteigen. Sieben Wehre und Staustufen verhindern jedoch den natürlichen Aufstieg in der Weser. Da Aale bisher nicht außerhalb ihres Laichgewässers nachgezüchtet werden können, ist man auf die Wildfänge angewiesen. Die Aale bleiben ca. 8-12 Jahre in den heimischen Gewässern, bevor Sie sich zur Fortpflanzung auf die weite Reise zurück in die Sargassosee begeben. Sie sind dann dunkel gefärbt mit Silbriger Bauchseite und zwischen 70 und 100 cm lang und im Mittel knapp 700 Gramm schwer. Auf dem Rückweg müssen die Aale wieder die Staustufen und Turbinen der Wasserkraftanlagen überwinden. Die zum Teil im Bereich der Kraftwerke eingebauten Fischleitsysteme funktionieren leider nicht befriedigend. Man geht davon aus, dass bis zu 30 Prozent der abwandernden Aale je Staustufe verletzt bzw. getötet werden. Das heißt, es schaffen nur ca. 10 Prozent den Weg bis zur Nordsee. Um diese Quote zu erhöhen und zur Arterhaltung beizutragen, wurde unter der Federführung des Landes Niedersachsen ein sogenanntes Aaltaxi eingerichtet. Hier fangen Berufsfischer abwandernde Aale von Dezember bis Januar vor den Staustufen ab. So konnten in diesem Winter über 5.000 kg Aal in geeigneten Transportgefäßen bis an die Nordsee gefahren und dort in die Freiheit entlassen werden.
Die Kraftwerksbetreiber lehnen leider bisher eine Kostenbeteiligung zur Unterstützung des Aaltaxis ab.
Durch jährliche Besatzmaßnahmen unter großem finanziellen Aufwand tragen die örtlichen Fischereivereine maßgeblich zum Erhalt der Aalbestände in der oberen Weser bei.

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