Hollande kam in den Hochrechnungen, die nach Schließung der letzten Wahllokale am Abend um 20.00 Uhr veröffentlicht wurden, auf Werte zwischen 28,4 und 29,3 Prozent. Damit können sich die Sozialisten erstmals wieder seit 1988 große Hoffnungen machen, eine Präsidentenwahl für sich entscheiden. Denn in allen Umfragen wird dem 57-jährigen Hollande für die Stichwahl ein Vorsprung von rund zehn Prozentpunkten vor Sarkozy vorhergesagt. Der Präsident, der zum Ende seiner Amtszeit unbeliebter ist als alle seine Vorgänger, kam laut den Hochrechnungen auf 25,5 bis 27 Prozent.
Die Überraschung des Wahlsonntags war jedoch die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen: Sie kam mit 18,2 bis 20 Prozent auf den dritten Platz und konnte damit nicht nur deutlich mehr Stimmen als die ihr vorhergesagten 16 Prozent erringen, sondern auch das historisch beste Ergebnis für ihre Partei Front National. Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon kam auf 10,8 und 11,7 Prozent und der Zentrumspolitiker François Bayrou auf 8,5 und 9,1 Prozent. Die grüne Kandidatin Eva Joly landete bei um die zwei Prozent.
Bis zur Stichwahl wird es für Hollande und Sarkozy nun darum gehen, die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten für sich zu gewinnen. Meinungsforscher erwarten, dass die linken Wähler in der zweiten Runde mehrheitlich für Hollande stimmen werden, während Sarkozy die Le-Pen-Wähler weit weniger als 2007 für sich gewinnen kann. Unklar ist noch, wie sich die Bayrou-Wähler entscheiden, die sowohl von links als auch von rechts umworben werden.
Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon rief am Sonntag dazu auf, den konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Stichwahl am 6. Mai "zu schlagen". "Unser Volk scheint fest entschlossen zu sein, die Sarkozy-Jahre abzuschließen." Die grüne Kandidatin Eva Joly rief ihre Anhänger ebenfalls auf, in der Stichwahl für Hollande zu stimmen.
Le Pen und Bayrou wollen sich dagegen noch nicht festlegen. Vor ihren jubelnden Anhängern in Paris sagte Le Pen, dass die "Schlacht um Frankreich erst beginnt". Ihr Wahlkampfchef Florian Philippot kündigte an, dass Le Pen am 1. Mai ihre Haltung zur Stichwahl zwischen Hollande und Sarkozy bekanntgeben werde.
Hollande warb um Unterstützung für die Stichwahl. Er sei "der Bestplatzierte, um der nächste Präsident der Republik zu werden", sagte er vor jubelnden Anhängern. Sozialisten-Chefin Martine Aubry sprach im Fernsehsender TF1 von einer "schrecklichen Ablehnung" Sarkozys. Das Votum sei gleichzeitig ein Vertrauensbeweis für Hollande. Der Chef von Sarkozys konservativer Partei UMP, Jean-François Copé, forderte die Anhänger des Präsidenten im Sender TF1 auf, weiter zu kämpfen.
Sarkozy brachte am Abend drei Fernsehdebatte vor der Stichwahl ins Spiel. Die drei Begegnungen mit dem sozialistischen Sieger François Hollande sollten drei Themen gewidmet sein: Wirtschaft, Gesellschaft und Außenpolitik, sagte Sarkozy. Hollande lehnte den Vorschlag umgehend ab. Er werde die Planung nicht ändern und nur eine Debatte mit Sarkozy führen, "egal wie lange sie dauert".
Überraschend hoch war die Wahlbeteiligung, die nach Schätzungen der Institute rund 80 Prozent erreichen dürfte. Rund 44,5 Millionen Franzosen waren zur Wahl aufgerufen. Hollande war am Vormittag zusammen mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler in Tulle in der zentralfranzösischen Corrèze wählen gegangen, wo er seine politische Heimat hat.
Er hatte im Wahlkampf mehrfach daran erinnert, dass erstmals wieder seit Präsident François Mitterrand die Chance für die Sozialisten bestehe, das Präsidentenamt zu übernehmen. Sarkozy stimmte mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy in Paris ab.
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