USA fahnden nach Chef der pakistanischen Taliban

Sprengsätze töten mindestens 25 Menschen in Lahore

Lahore/Washington (AFP) - Bei drei Selbstmordanschlägen in der ostpakistanischen Stadt Lahore sind mindestens 25 Menschen getötet worden. Mindestens 180 weitere Menschen wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Die Attentäter sprengten sich demnach inmitten von gläubigen Schiiten in die Luft, die an einer Prozession teilgenommen hatten. Die USA schrieben unterdessen den Chef der pakistanischen Taliban zur Fahndung aus und setzten die Gruppierung auf ihre Schwarze Liste der Terrororganisationen.

Anschläge erschüttern Lahore Bild anzeigen Anschläge erschüttern Lahore © AFP

Ein Vertreter der Stadtverwaltung in Lahore bestätigte, dass es sich bei den Explosionen um Selbstmordanschläge handelte. "Wir haben die Leichen von allen drei Attentätern gefunden", sagte Sajjad Bhutta der Nachrichtenagentur AFP. Ein Augenzeuge berichtete, dass die "ohrenbetäubenden" Explosionen kurz nach dem Ende der Prozession in kurzen Abständen erfolgten. Auf den Straßen schrieen Verletzte um Hilfe, Rettungswagen brachten die Verwundeten in Krankenhäuser. Pakistans Regierungschef Yousuf Raza Gilani verurteilte die Anschläge als "feigen terroristischen Akt".

Die Gläubigen hatten sich bei der Prozession versammelt, um an den Imam Ali zu gedenken, der im schiitischen Islam als Schwiegersohn und Vetter des Propheten Mohammed als dessen rechtmäßiger Nachfolger gilt. In Pakistan gehört nur eine Minderheit von 20 Prozent der Bevölkerung der schiitischen Glaubensrichtung des Islam an, die Mehrheit sind Sunniten.

Seit mehr als drei Jahren wird das Land von einer Welle blutiger Anschläge erschüttert, hinter denen meist Mitglieder der pakistanischen Taliban, El Kaida oder anderer radikalislamischer Gruppierungen vermutet werden.

Die US-Bundesjustiz wirft dem pakistanischen Taliban-Chef Hakimullah Mehsud eine "terroristische Verschwörung" zur Ermordung von sieben CIA-Agenten im Dezember 2009 in Afghanistan vor, wie das Justizministerium in Washington mitteilte. Für Hinweise zu Mehsuds Ergreifung setzte die US-Justiz fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) aus. Vor einem Bundesgericht in Washington wurde Klage gegen Mehsud eingereicht. Die sieben Mitarbeiter des US-Geheimdiensts CIA waren am 30. Dezember 2009 im afghanischen Chost getötet worden, als ein Selbstmordattentäter einen Sprengsatz zündete.

Die vom US-Außenministerium bekannt gegebene Aufnahme der pakistanischen Taliban in die Schwarze Liste belegt die Gruppe mit einer Serie von Strafmaßnahmen. Dazu zählen das Einfrieren aller Guthaben in den USA, Einreiseverbote für ihre Mitglieder sowie Strafmaßnahmen für jeden, der materielle Hilfe für die Vereinigung leistet.