Höchststrafe wegen Dreifachmordes gefordert - Mehrere Mordvorwürfe weggefallen

Staatsanwältin nennt Pflegehelfer "kaltblütigen Serienmörder"

München (AFP) - Im Prozess um einen wegen mehrfachen Mordes angeklagten Pflegehelfer vor dem Landgericht München I hat die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe gefordert. Neben einer lebenslangen Haft plädierte die Anklage am Donnerstag außerdem auf Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie anschließende Sicherungsverwahrung. Die Beweisaufnahme habe gezeigt, dass Grzegorz Stanislaw W. "ein kaltblütiger, völlig empathieloser Serienmörder" sei, sagte die zuständige Staatsanwältin.
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Die Anklage ließ allerdings einen Teil der Mordvorwürfe fallen und plädierte darauf, den 38-Jährigen wegen dreifachen Mordes, zweifachen versuchten Mordes und wegen drei Fällen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen. Ursprünglich angeklagt waren sechs Morde, zu Prozessbeginn bezeichnete das Gericht zudem einen weiteren Fall als möglichen Mord.

Dass W. nun statt für sieben Morde für drei Morde verurteilt werden soll, liegt laut Anklage daran, dass die anderen vier Fälle sich nicht mehr genau nachweisen ließen. W. gestand die Morde zwar pauschal, es ließ sich aber kein konkreter Tatnachweis mehr führen.

Der im November vergangenen Jahres begonnene Prozess neigt sich damit nach 46 Verhandlungstagen dem Ende entgegen. Für den 6. Oktober wird das Urteil erwartet.

Die Staatsanwältin sagte, der Angeklagte sei nicht die geringste Hilfe gewesen. Der von polnischen Pflegeagenturen vermittelte Pole habe es etwa abgelehnt, nachts für seine Patienten aufzustehen, weil er eine ungestörte Nachtruhe wollte. Dazu habe er etwa die Notklingel ausgestellt und Patienten mit Schlafmitteln in einen Tiefschlaf versetzt.

Der 38-Jährige saß bereits in Polen wegen verschiedener Betrugs- und Diebstahldelikte mehrere Jahre in Haft. Nach seiner Haftentlassung machte er einen 120-Stundenkurs zur Fortbildung als Pflegehelfer. Sein Motiv sei aber nicht die Arbeit gewesen, sondern der Zugang zu den Häusern von Familien, um diese zu berauben. Die Staatsanwältin zitierte Aussagen von W. wie "Reichen Deutschen tut man seine Euros klauen" oder "Kohle ist das Wichtigste, weil ohne sie sterbe ich".

Der stark übergewichtige W. - bei seiner Festnahme wog er bei einer Körpergröße von 1,62 Metern 156 Kilo - ist Diabetiker. Seine Opfer, die allesamt keine Diabetes hatten, soll er mit Überdosen Insulin getötet haben.

In dem Prozess machte W. keine Angaben zur Sache. Allerdings gestand er bei früheren Vernehmungen die Insulingaben, er bezeichnete sich selbst auch einmal als Mörder.

Die Tatserie ereignete sich in mehreren Bundesländern binnen gerade einmal zehn Monaten von April 2017 bis Februar 2018. Der nur zur häuslichen Pflege eingesetzte W. wechselte ständig die Einsatzorte. Bei vielen Familien war er nur einen bis drei Tage im Einsatz. Immer wieder brach W. seine Jobs selbst ab.

Auch viele Familien hätten den Angeklagte von Anfang an wegen seiner schroffen, unfreundlichen Art abgelehnt, sagte die Staatsanwältin. Sie zitierte dabei die Haushälterin eines der Mordopfer, das sich ihr mit den Worten "Maria, er ist der Teufel" anvertraut habe. In der Nacht darauf soll W. den Mann ermordet haben.

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