HRW sprach in seinem Bericht von einem "Folterarchipel" in Syrien mit landesweit 27 Haftzentren; mehr als 200 ehemalige Gefangene und Deserteure wurden befragt. "Fast alle" Befragten hätten Folter selbst erlebt oder beobachtet. Eine Foltermethode sei das lange "Festhalten der Gefangenen in Stresspositionen". Den Häftlingen würden Stromschläge zugefügt oder Brandwunden mithilfe von Autobatterien. Fingernägel würden herausgerissen, es gebe sexuelle Übergriffe und Demütigungen. Auch von Scheinhinrichtungen war die Rede. Mehrere Befragte mussten mit ansehen, wie Folteropfer starben.
Ein 31-Jähriger gab an, dass seine Finger beim Verhör mit Zangen gequetscht wurden. Seine Peiniger hätten Klammern und Nägel in seinen Fingern, an der Brust und an den Ohren befestigt und ihm über Drähte Elektroschocks zugefügt. Zwei Mal sei er auch an den Genitalien gefoltert worden.
Dem Bericht zufolge werden Gefangene auch in Stadien und Schulen festgehalten. Ein Ex-Offizier berichtete davon, dass Gefangene an den Händen aufgehängt oder lebendig in einen Sarg gelegt und mit dem Tod bedroht werden. "Sie befestigen Nägel unter deinen Füßen und schlagen dich, damit du damit läufst", sagte er.
Zuletzt liefen immer mehr Sicherheitskräfte und Soldaten zur Opposition über. Erst am Montag flohen 85 Armeeangehörige in die Türkei, unter ihnen auch ein General und mehrere Offiziere. Das Land, ein früherer Verbündeter der Regierung von Baschar al-Assad, ist mittlerweile zur Anlaufstelle für syrische Flüchtlinge geworden. Ankara hatte nach dem Abschuss eines türkischen Kampfjets durch Syriens Armee am 22. Juni auch noch einmal den Ton verschärft.
Assad bedauerte den Vorfall im Gespräch mit der türkischen Zeitung "Cumhüriyet" nun "zu 100 Prozent". Die Maschine sei in einem "Korridor" im syrischen Luftraum unterwegs gewesen, der in der Vergangenheit von Israels Luftwaffe genutzt worden sei. Erst nach dem Abschuss habe Syrien erfahren, dass es ein türkischer Jet gewesen sei, sagte Assad. "Wäre es eine israelische Maschine gewesen, hätte ich mich gefreut."
Syrien wirft der Türkei vor, in seinen Luftraum eingedrungen zu sein, während Ankara darauf beharrt, die Maschine sei in internationalem Luftraum abgeschossen worden. Der Präsident sagte der Zeitung zudem, Syrien wolle eine "offene Konfrontation" mit der Türkei vermeiden. Es würden keine Truppen an der Grenze mobilisiert. "Das türkische Volk ist unser Freund", sagte Assad.
Der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan rechnet nach Angaben seines Sprechers noch mit einem "langen und holprigen" Weg hin zur Beilegung der Krise. Ein Waffenstillstand sei dafür unerlässlich, sagte Ahmad Fausi in Genf. Er lobte indes den in Genf erarbeiteten internationalen Plan und sprach von einer "Änderung" der Positionen Russlands und Chinas. Die Opposition, die ihr Treffen in Kairo am Dienstag fortsetzte, hatte den Plan abgelehnt, weil er keinen automatischen Abgang Assads vorsah.
Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Guido Westerwelle in Paris, Moskau habe die Einladung zur Teilnahme an der Syrien-Konferenz ausgeschlagen. Russland gehört mit China zu den traditionellen Unterstützern Syriens. Moskau war bereits zwei früheren Konferenzen der Freunde Syriens ferngeblieben - Ende Februar in Tunis und im April in Istanbul. Die "Freunde Syriens" wollen mit ihren Treffen den Druck auf den syrischen Staatschef Baschar al-Assad Assad zu erhöhen. Der Gruppe gehören neben führenden europäischen Staaten und den USA auch mehrere arabische Länder an.
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