Im Internet veröffentlichte Videos zeigten eine Menschenmenge in dem Viertel Kfar Susa, die Slogans wie "Wir weichen nicht", "Das syrische Volk ist vereint" und "Baschar, du hast Syrien verraten" rief. Der oppositionelle Syrische Nationalrat erklärte, die Proteste in Damaskus zeigten, dass die Hauptstadt nicht "neutral" sei. Er rief die UN-Beobachter, die den brüchigen Waffenstillstand im Land überwachen, auf, zu den Beerdigungszügen zu kommen.
Unterdessen wurde die zweitgrößte Stadt Aleppo von einer Bombenexplosion erschüttert. Mindestens fünf Menschen seien bei der Explosion in einem Vorort getötet worden, teilte die in London ansässige Beobachtungsstelle mit. Die Bombe explodierte demnach im Bezirk Tal al-Sarasir, als ein Bus vorbeifuhr. Unklar war, ob die Insassen des Busses Zivilisten oder Sicherheitskräfte waren.
Der Beobachtungsstelle zufolge gab es in Damaskus zwei weitere Bombenanschläge auf Militärfahrzeuge. Drei Soldaten seien bei der Explosion einer Bombe bei der Vorbeifahrt eines Militärbusses verletzt worden. Bei einer zweiten Explosion unter einem Militärfahrzeug in As-Suara habe es dagegen keine Verletzten gegeben. Nach Informationen der Beobachtungsstelle wurde zudem ein Funktionär der Baath-Partei im Nordwesten des Landes von Unbekannten erschossen.
Die Behörden bereiteten sich unterdessen auf die Parlamentswahl am Montag vor. Die Abstimmung war eigentlich bereits im vergangenen September geplant, war dann jedoch wegen der anhaltenden Gewalt verschoben worden. Da jedoch noch immer keine Beruhigung absehbar ist, forderte das Parlament Präsident Assad vergangenen Montag erneut zur Verschiebung des Urnengangs auf. Die Opposition rief ihrerseits zum Boykott der Wahl auf, die sie als "Farce" bezeichnete.
Auch Experten glauben nicht, dass die Wahl Auswirkungen auf die Politik in Syrien haben wird. "Niemand in der internationalen Gemeinschaft nimmt die Wahlen ernst", sagte Schadi Hamid vom Brookings Center in Doha. Die Parteien, die sich seit der Verabschiedung der neuen Verfassung gebildet haben, repräsentierten nicht "die Revolution und ihre Ziele", kritisierte Hamid. In der gegenwärtigen Lage könne kaum von demokratischen Wahlen gesprochen werden.
"Zahlreiche Syrer haben Gewalt erlitten und viele wurden vertreiben, was einen großen Teil des Landes daran hindert, in Freiheit und Transparenz wählen zu gehen", sagte der Politikwissenschaftler Oreib Rantaui. Es handele sich um eine sinnlose Propaganda-Veranstaltung, die zu keiner politischen Veränderung führen werde. Bei den meisten Parteien handele es sich um "reine Marionetten des Regimes" ohne politisches Projekt.
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