Bergwacht im Einsatz

Thüringer Luftrettung in rot-blau

Thüringen (df/keh) - Anfang März kam es im Landkreis Hildburghausen zu einem dramatischen Rettungseinsatz. Für solche Fälle ist auch die Luftrettung der DRK Bergwacht Thüringen vorbereitet. Warum zu diesem Einsatz ein Nürnberger Hubschrauber gerufen wurde, wie ein Übungstag abläuft und warum die Luftrettung der DRK Bergwacht für Thüringen so wichtig ist, erklärt der Technische Leiter Michael Geier.

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Dieses bei einem Übungseinsatz aufgenommen Foto zeigt das Luftrettungsverfahren mit einer Außenwinde, das auch beim Einsatz am kleinen Gleichberg durchgeführt wurde.

© Foto: DRK Bergwacht Thüringen

Am 10. März 2014 gab es einen ‘grenzübergreifenden‘ Rettungseinsatz auf dem kleinen Gleichberg bei Römhild. Ein Wanderer aus Frankreich war im unwegsamen Gelände gestürzt und verletzte sich dabei so schwer, dass er nicht mehr gehen konnte. Einsatzkräfte der Feuerwehr und der DRF-Rettungshubschrauber "Christoph 60" kamen zum Einsatz. Dieser konnte aber nur den Notarzt und Rettungsassistenten im Schwebeflug absetzen, damit diese zum Verletzten gelangen und ihn versorgen können. Zum Abtransport musste ein mit einer Rettungswinde ausgestatteter Hubschrauber aus Nürnberg angefragt werden. Mit diesem wurde der verletzte Franzose, an der Kufe des Hubschraubers hängend, ins Tal geflogen und an den Rettungsdienst übergeben.

Für diese Einsätze ist unter anderem die Luftrettung der DRK Bergwacht Thüringen ausgebildet. Leider kam sie an diesem Tag aus technischen Gründen nicht zum Einsatz.
Insgesamt sorgen 30 Bergwachten im Thüringer Wald, im Südharz sowie in der Vorderen Rhön für die Sicherheit von Waldarbeitern, Wanderern und Freizeitsportlern.
Ausschließlich ehrenamtlich leisten die DRK-Bergretter Vorsorgedienst in den touristisch stark frequentierten Gebieten und Rettungseinsätze im unwegsamen und felsigen Gelände.

Für Großschadenslagen und Katastrophen stellen die Bergwachten qualifizierte Einsatzkräfte, die im Sanitätsdienst und in der Rettung von Verletzten aus schwierigem Gelände ausgebildet sind. Zu den Aufgaben der Bergwacht gehören Rettungsdienste im Sommer und Winter, Höhlen- und Höhenrettung, Katastrophenschutz, Sanitätswachdienst, Naturschutz und Nachwuchsarbeit. Eine spezielle Gruppe bildet die Luftrettung, die es seit nunmehr zehn Jahren gibt. Ihre zehn ausgebildeten und geprüften Luftretter kommen allesamt aus der DRK Bergwacht Oberhof. Michael Geier war von Anfang an dabei und erklärt den Unterschied zwischen Rettung und Bergung. Nur Menschen werden ‘gerettet‘, Tiere, Tote und Sachwerte hingegen werden ‘geborgen‘. Er selbst hatte 2011 die einzige Totenbergung im Thüringer Wald durchgeführt. „Eine beklemmende Erfahrung“, erinnert er sich. Eine andere Einsatzerfahrung der Luftrettung machten die DRK Bergwachtkollegen vor einigen Jahren bei Meiningen. Dort wurde zwar eine ‘Bergung‘ vorgenommen, in dem Falle jedoch eine lebendige. Es handelte sich um einen eingeschlossenen Hund, der durch sein mehrtägiges Bellen auf sich aufmerksam gemacht hat. Aufgrund der Unzugänglichkeit des Gebietes war er jedoch nur aus der Luft zu retten gewesen.

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Regelmäßige Übungseinsätze garantieren eine hohe Qualität der Einsatzkräfte.

© Foto: DRK Bergwacht Thüringen

Um in der Übung zu bleiben, trainieren die Luftretter regelmäßig für den Ernstfall, so auch am 7. März 2014. Gemeinsam mit vier Luftrettern der Berufsfeuerwehr Erfurt machten sich drei Luftretter der DRK Bergwacht Thüringen sowie die dazugehörigen Piloten und Bordmechaniker der Polizeihubschrauberstaffel Thüringen von Erfurt aus auf den Weg ins Übungsgelände. Für diesen Tag war das Rettungsverfahren „Flexibles Bergetau“ angesetzt. Bei dieser Rettungsmethode ist der Luftretter, sobald der Hubschrauber über dem Verletzten ist, innerhalb von nur einer Minute abgeseilt und mit dem bereits versorgten und transportfähig gemachten Verletzten wieder in der Luft und auf dem Weg zur lebensrettenden Weiterversorgung. Jeder der Luftretter war mehrmals Retter sowie Geretteter. Die Übung ist gut gelaufen und hat dafür gesorgt, dass alle Beteiligten für den Ernstfall bestens erprobt und vorbereitet sind. Um dies auch weiterhin zu gewährleisten, wird dieses Verfahren regelmäßig, zu allen Jahreszeiten und unter ihren spezifischen Bedingungen trainiert.

Man sollte es nicht meinen, doch auch in Thüringen gibt es viele Gebiete, in denen eine Rettung durch den bodengebundenen Rettungsdienst schwer oder gar nicht möglich ist.
Deshalb ist es fast verwunderlich, dass das qualifizierte Angebot der Luftrettung, das wesentlich weniger Zeit und Einsatzkräfte erfordert, doch so verhältnismäßig selten zum Einsatz beordert wird. Bei einer Luftrettung mit dem Flexiblen Bergetau zum Beispiel wird lediglich ein Luftretter benötigt, im Verhältnis dazu werden bis zu zehnmal mehr bodengebundene Rettungskräfte zum Einsatzort gerufen. Häufig erfordert die Situation vor Ort das Nachholen weiterer Kräfte und damit eine zusätzliche Unterstützung aus der Luft.

Wie unwegsam das Gelände sein kann, hat der Unfall bei Römhild vor einigen Tagen gezeigt. Natürlich wünscht sich jeder, dass in den Thüringer Bergen immer alles heil bleiben möge. Aber ist es nicht gut zu wissen, dass es die rot-blauen Engel der Luftrettung gibt?

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