Im Klinikum Bremen-Mitte waren in den vergangenen Monaten drei Frühchen auf der Neugeborenenstation an Infektionen mit einem gegen Antibiotika resistenten ESBL-Bakterium gestorben. Eines der Kinder starb im August, die beiden anderen im Oktober. Bei dem Erreger handelt es sich um einen typischen sogenannten Krankenhauskeim. Er befiel laut Klinikum insgesamt 15 Kinder, von denen aber nur einige erkrankten.
ESBL-Bakterien kommen im Darm jedes Menschen vor. Sie werden gefährlich, wenn sie mutieren und unempfindlich gegen Antibiotika werden. Für Erwachsene sind sie harmlos, Frühgeborene ohne funktionierendes Immunsystem sind jedoch bedroht.
Nachdem die klinikeigene Suche nach der Erreger-Quelle ergebnislos verlaufen war, übernahmen drei Spezialisten des bundeseigenen RKI vor Ort die Regie. Die Neugeborenenabteilung des Krankenhauses wurde zunächst geschlossen. Zudem entschieden sich die Verantwortlichen, die Öffentlichkeit zu informieren. Zunächst habe es noch keinen Hinweis gegeben, wie sich die Babys angesteckt haben. Die Staatsanwaltschaft richtet ihre Aufmerksamkeit nach eigenen Angaben auf die Möglichkeit einer Ansteckung durch Klinikmitarbeiter. Bremens Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) kündigte eine Untersuchung der Abläufe im Zusammenhang mit den Infektionsfällen an.
Der Mikrobiologe Alexander Kékulé sprach sich dafür aus, die Hygieneregeln zu überdenken. Das einst strenge Regime auf den Stationen für Neugeborene sei in der Vergangenheit gelockert worden, sagte der Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie an der Uni Halle-Wittenberg dem Radiosender MDR Info. "Es ist für die Kinder psychologisch besser, wenn sie Kontakt zu den Eltern haben." Die Ausbreitung von multiresistenten Keimen zwinge allerdings dazu, die Hygieneregeln zu überdenken.
Als Quellen für immer mehr multiresistente Keime nannte Kékulé die häufige Anwendung von Antibiotika durch den Arzt und die Verwendung von Antibiotika in der Landwirtschaft. Aufgabe aller müsse es sein, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren und auf das Notwendige zu begrenzen.
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