Erhöhte Unfallgefahr durch ungemähte Ränder?

Vorsicht Wild!

Von Barbara Siebrecht
Herstelle/ Beverungen – Zwei leuchtende Augen in der Dunkelheit, Schrecksekunde, Vollbremsung und Aufprall... Ganz plötzlich kommt es zu folgenschweren Begegnungen mit Wildtieren, die Straßen überqueren. Im wald- und wildtierreichen Kreis Höxter beschäftigen Wildunfälle die Polizei, die Jäger und die Versicherer das ganze Jahr.

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Hermann-Josef Kaiser weist mit Schildern auf den Unfallschwerpunkt hin.

© Foto: Siebrecht

Landwirt, Jäger und Eigenjagdbesitzer Hermann-Josef Kaiser aus Helmarshausen, warnt vor aktuell hohen Wildunfallzahlen an der K72 zwischen Helmarshausen und Langenthal. „Ich wurde in den letzten drei Wochen hier zu fünf Wildunfällen gerufen und musste ein Schmalreh, drei Böcke und eine Ricke von der Straße holen. Der Verbleib des Kitzes, das von der Ricke noch gesäugt wurde, ist ungewiss“, erklärte der Jäger und vermutet, dass noch weitere Unfälle geschehen sind, die nicht angezeigt wurden. Ein Zusammenprall mit Hase, Dachs, Waschbär oder Wildkatze wird oft nicht gemeldet und die Jäger finden die verendeten Tiere am Straßenrand.
Kaiser führt die nach seinen Erfahrungen ungewöhnlich häufige und früh im Jahr stattgefundene Wildunfälle in seinem Bezirk auch auf den hohen Bewuchs am Straßenrand zurück. Aus Gründen des Insektenschutzes und zur Förderung der Artenvielfalt wird an einigen Straßen auf die Mahd der Straßenränder verzichtet. Wildtiere, die die Straße überqueren wollen, können den Straßenraum später einsehen und Autofahrer später das Wildtier am Straßenrand erkennen. Mittlerweile wurde in diesem Bereich der Straßenrand gemäht und der Jäger hat weitere Warnschilder aufgestellt. Auch eine Bache mit Frischlingen hat Kaiser am Straßenrand an der K72 mehrfach beobachtet und Rehe äsend am Straßenrand und in Blühstreifen gesehen.
Als weitere Wildunfallschwerpunkte kann Kaiser die Strecke zwischen Langenthal und Haarbrück sowie zwischen Helmarshausen und Deisel benennen. Wenn ein Tier die Straße überquert hat, ist es oft der Fall, dass noch weitere Tiere folgen. Rehe und Wildschweine sind meist im Sprung bzw. in der Rotte unterwegs oder führen Jungtiere.
Hermann-Josef Kaiser befürchtet, dass diese Unfällen noch weitere folgen werden, denn die Paarungszeit, während dieser der Bock die Ricke treibt und liebestoll natürlich nicht auf Vorfahrtsregeln achtete, beginnt erst Ende Juli bis etwa Anfang August. Zu dieser Zeit werden auch die Getreidefelder abgeerntet und das Wild wandert zurück in die Waldgebietet.
Nicht nur Hermann-Josef Kaiser fordert zum Wohl von Tier und Mensch besondere Vorsicht und angepasste Geschwindigkeit durch die Kraftfahrer. Damit es nicht zum Zusammenstoß kommt, wenn am Straßengraben ein Tier auftaucht, sollte man nach einem Blick in den Rückspiegel, eine Vollbremsung machen, Abblenden und Hupen, nicht jedoch ausweichen, da dabei oft noch größere Schäden und gefährlichere Verletzung entstehen.
Laut Statistik der Polizei sind im Stadtgebiet Beverungen folgende Strecken für Wildunfälle bekannt: Die B241 Richtung Dalhausen, die B83 Richtung Herstelle, die K84 von Beverungen nach Drenke und die L890 von Drenke nach Tietelsen. Insbesondere wo Wald und Feld ineinander übergehen oder die Strecken durch den Wald führen, sollten Autofahrer auf die Wegränder achten, bremsbereit sein und nicht zu schnell fahren. Beim Zusammenstoß von Tier und PKW wirken starke Kräfte. Ein Reh, das mit über 80 Prozent am häufigsten an Wildunfällen beteiligt ist wiegt etwa 20 kg. Die Wucht beim Aufprall mit einem PKW mit nur Tempo 60 km/h entspricht einer knappen Tonne also etwa dem Gewicht eines Bullen. Mit höheren Geschwindigkeiten erhöht sich die Wucht des Aufpralls.
Nach einem Wildunfall ist es richtig, die Unfallstelle mit Warndreieck und Warnblinklicht abzusichern, und die Polizei unter 110 zu benachrichtigen. Das Töten des verletzten Tieres oder die Nachsuche ist Sache des zuständigen Jagdpächters. Tote Tiere mitzunehmen wäre Wilderei. Bei der Polizei wird eine Liste geführt, welcher Jagdpächter für den Unfallort zuständig.

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