Zehn Jahre Seniorenbegleitung

Wenn Fremde zu Freunden werden

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Diesen Kalender schenkte Frau G. „ihrer“ Seniorenbegleiterin im Jahre 2009 - dass dieser nach zehn Jahren noch immer von Siglinde zur Weihnachtszeit aufgestellt wird, machte die Seniorin sichtlich sprachlos.

© Foto: Alina Päsler

Holzminden (ozm) - Unsere Gesellschaft wird immer älter. Viele Senioren können ihren Ruhestand ohne gesundheitliche Beschwerden erleben, doch leben viele von ihnen alleine, was zu Einsamkeit und sozialer Isolation führen kann. Genau an diesem Punkt setzt die ehrenamtliche Seniorenbegleitung (DUO) des Senioren- und Pflegestützpunktes des Landkreises Holzminden in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule an. Die Seniorenbegleiter*innen nehmen sich Zeit für ältere Menschen und bieten ihnen Unterstützung und Geselligkeit. Und bekommen dafür viel zurück.
Bereits vor ihrer Verrentung verspürte Siglinde den Wunsch, mit älteren Menschen zu arbeiten. Für ihren Ruhestand suchte sie nach einem abwechslungsreichen Ehrenamt, um selbst weiterhin aktiv sein zu können. Die Seniorenbegleitung sei für sie die richtige Entscheidung gewesen, schließlich lerne man auch viel für sein eigenes Leben und erhalte einen anderen Blickwinkel.
Seit nunmehr zehn Jahren begleitet sie eine ältere Dame. Schon bei ihrem ersten Zusammentreffen war schnell klar, dass die Chemie zwischen den beiden Frauen stimmte. „Das ist eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Seniorenbegleitung, von der beide Seiten profitieren können“, betont Sieglinde. Im Laufe der Zeit wachse man zu einer guten Einheit zusammen. Hierfür sei es wichtig, dass auch das familiäre Umfeld die regelmäßigen Treffen gut heiße. Während ihrer Alltagsbegleitung spielen die Frauen Gesellschaftsspiele, gehen miteinander spazieren oder besuchen Veranstaltungen.
Im Lauf der Jahre können sie auf viele gemeinsame Aktivitäten zurückblicken. So wurden zur Weihnachtszeit Frankfurter Bethmännchen gebacken oder verschiedene Konzerte besucht. Gerne klönten die beiden auch auf der Terrasse bei Kaffee und Kuchen. „Wir unterhalten uns in einem geschützten Raum“, sagt die Seniorenbegleiterin. „Und alle Inhalte unterliegen selbstverständlich der Verschwiegenheit“, fügt sie hinzu.
Auch nach dem Umzug der Begleiteten in ein Seniorenheim treffen sich die beiden Frauen weiterhin regelmäßig, aus der Begleitung hat sich also mittlerweile eine gute Freundschaft entwickelt, die seit zehn Jahren Bestand hat.
Auch Anna unterstützt bereits seit vielen Jahren ältere Damen aus der Nachbarschaft, die Gemeinschaft suchen oder Hilfe benötigen. Durch Siglinde wurde sie auf den DUO-Qualifizierungslehrgang aufmerksam. Auch sie entschied sich, einen solchen Kurs unter professioneller Begleitung der Kreisvolkshochschule zu absolvieren.
Mittlerweise ist Anna seit einigen Jahren als ehrenamtliche Seniorenbegleiterin im Einsatz. Auch sie hat mittlerweile mit Begleiteten Freundschaft geschlossen, die gegenseitige Wertschätzung ist hoch. „Die regelmäßigen Besuche sind für die Seniorinnen eine Konstante in ihrem Leben“, erklären die beiden Frauen. Das setze allerdings auch Verlässlichkeit und funktionierende Absprachen voraus. Mit der Zeit lerne man, dass es nach den Treffen gedanklich wieder etwas abzuschalten gelte, damit die Grenzen zwischen Ehrenamt und Privatleben nicht verschwömmen.
Ihre Tätigkeit als Seniorenbegleiterinnen empfinden Siglinde und Anna als ,,etwas sehr Schönes“. Es sei ein bereicherndes Miteinander. „Durch die regelmäßigen Fortbildungen des Senioren- und Pflegestützpunktes erlangen wir immer neues Wissen, das für die ehrenamtliche Tätigkeit – und auch für das eigene Privatleben – hilfreich und nützlich ist“, fügen sie hinzu.
Am Ende halten die beiden Freundinnen fest: „Wir haben viele neue Menschen kennengelernt und tauschen uns regelmäßig mit anderen Seniorenbegleiter*innen im Rahmen von gemeinsamen Treffen und Veranstaltungen aus. Es liegt uns sehr am Herzen, dass dieses Ehrenamt noch lange bestehen bleibt und wir Interessierte überzeugen konnten – damit auch wir zu einem späteren Zeitpunkt unseren Lebensabend mit einer liebevollen Seniorenbegleitung verbringen können.“
Seniorenbegleiter*innen sind nahe am Menschen und öffnen sich deren Bedürfnissen und Wünschen. Sie sind Gesprächspartner*innen für Menschen, die von einem erfüllten Leben erzählen können und für die der dritte Lebensabschnitt noch lange nicht der Abschied aus dieser Gesellschaft ist. Ziel ist es, durch Unterstützung und Begleitung im Alltag, die Senioren zu aktivieren ihr selbstbestimmtes Leben weiterzuführen. Wer sich für dieses Ehrenamt interessiert, sollte den nächsten Informationsabend am Donnerstag, 12. März 2020, um 18 Uhr in den Holzmindener Räumlichkeiten der Kreisvolkshochschule, Neue Straße 7, nicht verpassen. Für weitere Informationen steht Silvia Kieven vom Senioren- und Pflegestützpunkt Holzminden, unter der Telefonnummer 0 55 31 – 707 326, gerne zur Verfügung.

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