LWL-Archäologie untersucht verloren geglaubten Westflügel

Westfalens erste Zisterzienserabtei

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Die gewaltigen Mauerwerke trugen einst drei in Stein ausgeführte Geschosse.

© Foto: LWL/Wolfram Essling-Wintzer

Warburg (wrs) - Das Kloster Hardehausen ist derzeit im Fokus der Archäologinnen und Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Ein Bauvorhaben des Erzbistums Paderborn hatte archäologische Untersuchungen nötig gemacht, die bereits 2021 begannen. Nun freuen sich die Fachleute über besonders gut erhaltene Mauerreste des zunächst verloren geglaubten Westflügels. Derzeit wird geprüft, wie die entdeckten Befunde zeitlich einzuordnen sind. Gemeinsam mit dem Erzbistum wollen die LWL-Fachleute die hier geplanten Neubauten mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen.
LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger sieht in der Entdeckung einen "ebenso unverhofften wie wertvollen Zugewinn für die westfälische Klosterlandschaft". Man dürfe sich auch für das Erzbistum Paderborn sowie das Jugendhaus und die Landvolkshochschule freuen, deren neues Gästehaus damit um eine echte Attraktion reicher werden könne.
Das Kloster Hardehausen wurde im Jahr 1140 vom Paderborner Bischof Bernhard I. (gest. 1160) gegründet. Als erste Zisterzienserabtei auf westfälischem Boden ist sie zugleich auch eine der ältesten Deutschlands. Seine Blütezeit erlebte das Kloster dank zahlreicher Stiftungen im 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit lebten, arbeiteten und beteten dort mehrere Hundert Laienbrüder und Kleriker. Nach Verwüstungen während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Kloster um 1700 im Barocksti wiederaufgebaut, der bis heute das Bild der Anlage prägt. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 und Vertreibung der Mönche riss man 1812 die Klosterkirche und den Westflügel des Klostergevierts, der sogenannten Klausur, ab.
"Dass dieser ursprünglich von den Laienbrüdern bewohnte und seit seiner Zerstörung 1812 verloren geglaubte Klosterflügel noch so gut erhalten ist, kann ohne Übertreibung als glückliche Fügung bezeichnet werden", so der Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen, Prof. Dr. Michael Rind.
Denn von dem ehemals gut 60 Meter langen und 12 Meter breiten Westflügel konnten nun weite Teile des Untergeschosses freigelegt werden. Bereits im Rahmen einer Voruntersuchung im August 2021 waren die Spezialisten des LWL-Fachreferats für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie in etwa 1,80 Metern Tiefe auf eine Türschwelle gestoßen. "Zu diesem Zeitpunkt rechneten wir bereits mit einer erstaunlich weitgehenden Erhaltung des alten Westflügels", sagt Grabungsleiter und LWL-Archäologe Wolfram Essling-Wintzer. Die Mauern sind bis zu 2,30 Meter hoch und waren mit zahlreichen hochwertigen Architekturelementen wie Gewölbevorlagen, Kreuzgraten, Rippenfragmenten und Pfeilern versehen.
Eine Frage ist die nach dem genauen Alter der nun aufgedeckten Ruinen. Diverse Mauerwerksfugen belegen drei Bauphasen. "Die Jüngste gehört zum barocken Wiederaufbau in den Jahren um 1700 und ist so gut belegt, dass ihre vollständige virtuelle Rekonstruktion möglich und für die Forschung wünschenswert wäre", sagt Essling-Wintzer. Die älteste dürfte laut des Archäologen aufgrund ihrer spätromanischen Stilelemente in die Mitte des 13. Jahrhunderts zu datieren sein. "Sehr wahrscheinlich hat man in Hardehausen zur Blütezeit des Konvents den Bau einer großzügig dimensionierten, idealtypischen Klausuranlage in Angriff genommen", meint Essling-Wintzer.

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