Automobil-Regionen könnten Veto eingelegt haben

Wetzel neuer IG-Metall-Chef - mit schlechtem Ergebnis

Frankfurt/Main (AFP) - Mit einem historisch schlechten Wahlergebnis geht Detlef Wetzel als neuer Chef der IG Metall an den Start. Auf dem Kongress der Gewerkschaft in Frankfurt am Main stimmten 75,51 Prozent der Delegierten für den bisherigen Vize. Auch Wetzel künftiger Stellvertreter, Jörg Hofmann aus Baden-Württemberg, erhielt einen Dämpfer. Nach Angaben von Delegierten könnten Gewerkschaftsbezirke mit großen Automobilstandorten gegen Wetzel gestimmt haben.
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Detlef Wetzel rückt an IG-Metall-Spitze © AFP

Wetzel fuhr das zweitschlechteste Ergebnis bei der Wahl eines Vorsitzenden der IG Metall seit Bestehen der Gewerkschaft ein. Ein schlechteres Ergebnis hatte nur der frühere Gewerkschaftschef Jürgen Peters im Jahr 2003 mit 66,1 Prozent erzielt. Wetzels Vorgänger, Berthold Huber, war bei seiner Erstwahl im Herbst 2007 mit 92,6 Prozent ins Amt gewählt worden.

Wetzel erhielt beim Gewerkschafstag 333 von insgesamt 458 gültigen Stimmen bei 17 Enthaltungen. Hofmann als künftiger Gewerkschafts-Vize wurde mit 77,73 Prozent gewählt.

Wetzel sagte angesichts des Ergebnisses, er werde seine Arbeit für die Gewerkschaft wie gewohnt fortsetzen. "Ausreichend ist das allemal", sagte der neue Gewerkschaftschef. "Aber es hätte besser sein können."

Einzelnen Delegierten zufolge könnten Vertreter der Gewerkschaft aus dem Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gegen Wetzel gestimmt haben. Dabei verwiesen die Delegierten auf den Automobilstandort Wolfsburg, den Stammsitz des Volkswagen-Konzerns. Nähere Angaben, warum Gewerkschaftsvertreter aus dieser Region gegen Wetzel gestimmt haben könnten, machten die Delegierten allerdings nicht.

Andere Delegierte sahen in Wetzels charismatischem Vorgänger Huber einen Grund für das schlechte Abschneiden des neuen Ersten Vorsitzenden. Huber hatte in der Wirtschaftskrise wegen seines Einsatzes für Regelungen zur Kurzarbeit, zu Konjunkturprogrammen und zur Abwrackprämie viel Ansehen erlangt. Allgemein hatten die meisten befragten Delegierten mit einem deutlich schlechteren Ergebnis für Wetzel als für den Vorgänger Huber gerechnet.

Die IG-Metall-Vertreter waren schon am Sonntag zu einem zweitägigen Gewerkschaftstag in Frankfurt zusammengekommen, um über die künftige Führung der Gewerkschaft zu entscheiden. Wetzel und Hofmann waren im Sommer für die Ämter an der Gewerkschaftsspitze vorgeschlagen worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte bei dem Gewerkschaftskongress vor dem Hintergrund der Schlussrunde der Koalitionsgespräche zwischen Union und SPD die Bereitschaft zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. "Es wird – wenn es zu erfolgreichen Koalitionsverhandlungen kommt – zu einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn kommen", sagte Merkel. Über die Modalitäten verhandelten die Parteien noch. Sie treibe jedoch die Sorge um, dass ein Mindestlohn "auch Arbeitsplätze kosten kann".

SPD-Chef Sigmar Gabriel erklärte, er wolle mit Wetzel und der IG Metall künftig "gemeinsam für einen Kurswechsel vor allem in der Arbeits- und Sozialpolitik" kämpfen. Ziel müsse es sein, die Rolle normaler Arbeitsverhältnisse zu stärken und die Ausbreitung prekärer Beschäftigung einzudämmen.

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, lobte Wetzel als verlässlichen Verhandlungspartner. "Wir kennen uns seit langem und können einander gut einschätzen", sagte Dulger der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

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