Auf dem Weg in die digitale Zukunft

Wie 30 Dörfer mutig vorangehen

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Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und Christian Haase, MdB und Kommunalpolitischer Sprecher der CDU/CSU Fraktion beim Besuch des Messestands Kreis Höxter auf der IGW im Januar 2020, als sie sich über das Projekt „Dorf.Zukunft.Digital“ informierten.

© Foto: Projekt DZD

Kreis Höxter (ozm) - In diesen Zeiten, in denen sich die Meldungen täglich überschlagen, brummt bei den Bürgern aus den ehemaligen Golddörfern des Projekts Smart Country Side (SCS) Eversen, Merlsheim, Rösebeck, Wehrden, Sandebeck und Ovenhausen das Smart Phone in der Hosentasche noch häufiger als sonst. Kaum sind die für den Kreis Höxter relevanten Verordnungen im Rahmen der Corona Pandemie erlassen, schon wissen die Einwohner der sechs Modellorte Bescheid und können gleich reagieren, d. h. Vereinsfeiern und Gottesdienste absagen oder schnell Nachbarschaftshilfe organisieren.

Diese Infos erreichen die zahlreichen Nutzer des DorfFunks in Echtzeit. Die seit fast einem Jahr verfügbare Kommunikations-App funktioniert als digitaler Marktplatz und ergänzt das bewährte Gespräch über den Gartenzaun durch digitale Information und Kommunikation. Inzwischen haben viele Einwohner das digitale Dorf in der Tasche und wissen so jederzeit, was aktuell im Ort los ist. Auch wenn sie vorsorglich in häuslicher Quarantäne sein sollten.

Der DorfFunk ist vernetzt mit den prall gefüllten Websites, die die sechs Dorfgemeinschaften im Rahmen des erfolgreich im August 2019 zu Ende gegangenen Leuchtturmprojektes SCS mit viel ehrenamtlichen Engagement selbst erstellt haben. Alles, was Vereine, Kirche, Interessensgruppen oder Gewerbetreibende dort als Neuigkeit oder Veranstaltungshinweis einstellen, erscheint sofort als Pop-up-Nachricht auf dem Smart Phone, über das mittlerweile auch viele ältere Menschen in den Dörfern verfügen. So sind auch Berufspendler, Urlauber, Studenten und Menschen, die nicht mehr täglich zum Bäcker gehen, stetig über das Dorfleben auf dem Laufenden.

„Weitere Orte im Kreis Höxter stehen in den Startlöchern, die den DorfFunk lieber heute als morgen zusammen mit einer neuen Dorf-Website nutzen wollen“, sagt Projektleiterin Heidrun Wuttke, die bereits das bundesweite Leuchtturmprojekt SCS erfolgreich für den Kreis Höxter und die GfW als Projektträger koordiniert hat. Sie beteiligen sich am LEADER-Projekt „Dorf.Zukunft.Digital“ (DZD), das im September 2019 mit einer Laufzeit von 3 Jahren gestartet ist und zum Ziel hat, digitale Lösungen zusammen mit den Bürgern vor Ort zu erproben. DZD-Projektträger ist der VHS-Zweckverband Diemel-Egge-Weser (DEW). Strategischer Partner ist die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter mbH (GfW). Die Kofinanzierung tragen die 10 Kommunen, die seit Beginn fortlaufend in die Projektaktivitäten eingebunden sind.

Folgende 30 Dörfer aus 10 Kommunen sind am Projekt DZD beteiligt: Godelheim, Albaxen, Ovenhausen, Wehrden, Amelunxen, Drenke, Dringenberg, Welda, Wormeln, Germete, Bonenburg, Altenheerse, Erkeln, Bökendorf, Istrup, Eversen, Merlsheim, Himmighausen, Holzhausen, Ottenhausen, Sandebeck, Bergheim, Löwen, Fölsen, Niesen, Vörden, Bredenborn, Großen- und Kleinenbreden, Borgholz, Rösebeck.

15 Dörfer ohne vorherige Erfahrung mit der Erprobung digitaler Anwendungen haben sich im Herbst letzten Jahres mutig auf den Weg in die digitale Zukunft gemacht und für das DZD-Auswahlverfahren spannende Visionen entwickelt, wie sie ihr Dorf bis 2025 mit digitalen Lösungen zukunftsfit gestalten wollen.

Seit Februar 2020 nutzen rund 120 engagierte Mitmacher das neue Online-Angebot des Projektträgers VHS DEW, der bereits 2018 zusammen mit der GfW für die erfolgreiche Umsetzung des Konzeptes „Digitale Kompetenz für Bürger im ländlichen Raum“ im Kreis Höxter den Innovationspreis des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung erhielt. Sie sitzen zuhause vor ihren Computern und lernen in Webinaren, die über die VHS-Cloud organisiert werden, das Content-Management-System WordPress. Damit können sie ihre eigene Dorf-Website erstellen, die dann mit dem DorfFunk verknüpft wird. Dieses innovative Lernangebot hat nicht nur während der Corona-Pandemie zahlreiche Vorteile für die Teilnehmer, die oft neben ihren privaten und beruflichen Aktivitäten auch noch in Vereinen ehrenamtlich aktiv sind. Sie müssen nicht zu festgelegten Zeiten zu den Schulungen fahren und können den Lehrstoff selbst organisiert jederzeit so oft wie gewünscht wiederholen, da die aufgezeichneten Webinare in der VHS-Cloud für sie abgelegt sind.

Lia Potthast vom LEADER-Regionalmanagement freut sich über die Wirkung des Förderprogramms: „Die Dörfer im Kreis Höxter machen vor, wie es geht: Die digitale Vernetzung bringt die Welt ins Dorf und das digitale Dorf in der Tasche stärkt das Miteinander und die Gemeinschaft vor Ort“. „Schon jetzt fragen zahlreiche andere ländlichen Regionen aus dem ganzen Bundesgebiet an, die von den Erfahrungen lernen und ähnliche Digitalprojekte auf den Weg bringen wollen“, ergänzt Heidrun Wuttke, die auf zahlreichen Digitalisierungsveranstaltungen von den Praxiserfahrungen und Handlungsempfehlungen aus den Projekten SCS und DZD berichtet.

„Unsere Gesellschaft wird eine andere sein, wenn die Corona-Krise überwunden ist“, prognostiziert Dr. Andreas Knoblauch-Flach, Leiter des VHS-Zweckverbands DEW und fügt hinzu: „aber schon jetzt ist klar: Die digitale Kommunikation wird unseren Alltag und Arbeitsleben zunehmend prägen und bereichern. Wie gut, dass unsere Dörfer dafür schon heute gut gerüstet sind und ihre Stärken zeigen: Das solidarische Miteinander, das alle im Blick hat und niemand alleine lässt“.

Über das Projekt DZD: Projektträger von „Dorf.Zukunft.Digital“ ist der VHS-Zweckverband Diemel-Egge-Weser. Strategischer Kooperationspartner ist die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter mbH. Das LEADER-Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren, d. h. vom 01.09.2019 bis 31.08.2022 und wird von der EU gefördert. Die Kofinanzierung übernimmt der Kreis Höxter.

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