"Experimenteller Ansatz" zur Senkung weltweiter Armut gewürdigt

Wirtschaftsnobelpreis geht an Armutsforscher Banerjee, Duflo und Kremer

Stockholm (AFP) - Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an drei Forscher für ihre Arbeiten zu globaler Armut sowie zu den Themen Bildung und Gesundheitswesen. Ausgezeichnet werden die Französisch-US-Ökonomin Esther Duflo, der indischstämmige US-Forscher Abhijit Banerjee sowie der US-Wissenschaftler Michael Kremer, wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekanntgab. Gewürdigt wurden sie demnach für ihren "experimentellen Ansatz" zur weltweiten Armutsbekämpfung.
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Armutsforscher Banerjee, Duflo, Kremer © AFP

Die Preisverleihung soll am 10. Dezember in Stockholm stattfinden. Der mit neun Millionen Schwedischen Kronen (umgerechnet etwa 830.000 Euro) dotierte Wirtschaftspreis geht im Gegensatz zu den anderen Auszeichnungen nicht direkt auf das Testament des Preisstifters Alfred Nobel zurück. Er wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel ins Leben gerufen und wird seit 1969 verliehen.

Alle drei Forscher lehren an US-Universitäten. Der 58-jährige Banerjee wurde 1961 im indischen Kolkata geboren. Seine 46-jährige Ehefrau Duflo, die zu den Beratern des früheren US-Präsidenten Barack Obama zählte, stammt aus Paris. Beide sind am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig. Duflo ist erst die zweite Frau, der die renommierte Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften zugesprochen wird, und die bislang jüngste Preisträgerin überhaupt. Der 54-jährige Kremer, der 1964 in den USA geboren wurde, lehrt an der Harvard Universität.

In den Forschungen der drei Preisträger geht es den Ausführungen der Jury zufolge unter anderem darum, komplexe Sachverhalte auf überschaubare Fragen herunterzubrechen. "Sie haben gezeigt, dass diese kleineren, präziseren Fragen dann oft am besten durch sorgfältig gestaltete Experimente in Verbindung mit den Menschen beantwortet werden können, die davon am meisten betroffen sind", hieß es.

Zu den Ergebnissen zählten Verbesserungen für mehr als fünf Millionen indischer Schulkinder sowie Fortschritte in der Gesundheitsversorgung in vielen Ländern, hieß es. Ihre Arbeit sei umso bedeutsamer angesichts der Tatsache, dass "mehr als 700 Millionen Menschen immer noch auf extrem geringe Einkommen angewiesen sind" und dass rund fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren jedes Jahr an vermeidbaren oder heilbaren Krankheiten sterben.

Duflo äußerte sich in einer ersten telefonischen Reaktion überrascht über die Auszeichnung. "Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist, den Wirtschaftsnobelpreis zu gewinnen, bevor man nicht deutlich älter ist als jeder von uns", sagte sie. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gratulierte ihr im Internetdienst Twitter zu ihrem Erfolg.

Ein Ziel ihrer Projekte sowie die ihres Ehemanns und einstigen Doktorvaters in Indien und in afrikanischen Ländern war es herauszufinden, mit welchen Entwicklungsmaßnahmen sich die größten Effekte erzielen lassen. Dabei ging es um die Motivation von Lehrern ebenso wie um Impfkampagnen und Investitionsentscheidungen sowie die Stärkung von Frauen in der Gesellschaft. An ähnlichen Projekten arbeitete auch Kremer, unter anderem für Verbesserungen im Schulwesen in Kenia.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, Gabriel Felbermayr, erklärte, die Preisträger hätten die Entwicklungsforschung "auf eine ganz neue qualitative Ebene gebracht mit innovativer Theorie und neuen Konzepten". Es sei außerdem "sehr erfreulich", dass mit Duflo auch eine junge Europäerin geehrt werde.

Im vergangenen Jahr waren die beiden US-Forscher William Nordhaus und Paul Romer für ihre Arbeiten zu nachhaltigem Wachstum mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet worden.

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