Briefe von der Heimatfront (2000-2010)

„Ich kämpf‘ mich zu dir durch, mein Schatz“

Idar-Oberstein (jk) - Es gibt zahlreiche Bücher und Berichte mit Briefen von Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg und auch von den Bundeswehreinsätzen in Afghanistan, im Kosovo oder anderen Gebieten. Doch was ist mit der sogenannten „Heimatfront“? Hinter jedem Soldaten im Einsatz stehen Angehörige und Freunde, die Tag für Tag um ihre Liebsten bangen. Diesem wenig beachteten Thema widmet sich die Herausgeberin Katrin Schwarz in ihrem neuen Buch „Ich kämpf‘ mich zu dir durch, mein Schatz“.

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Die Autorin Katrin Schwarz

© Rainer Drumm

In über Hunderten von Briefen aus den letzten zehn Jahren vermittelt das Buch ein eindringliches und aufwühlendes Bild über den Alltag und die Sorgen der Frauen, Schwestern und Müttern der Soldaten. Von Einsamkeit, Angst, aber auch von Liebe, Hoffnung und Zuversicht, die Zeit der Trennung gemeinsam zu schaffen, erzählt jeder einzelne Brief.
In der heutigen Zeit werden Soldatenfrauen wenig beachtet und doch müssen sie unter der Belastung der Trennung vom geliebten Menschen im zivilen Leben ihrem normalen Tagesgeschäften nachgehen.
Nicht nur die Zeit vor einem Einsatz ist eine Belastungsprobe für die Familien, auch davor und danach muss diese Zeit der Einsamkeit verarbeitet werden.

„Ich kämpf‘ mich zu dir durch, mein Schatz“ bietet einen eindringlichen und informativen Einblick in die „Ausnahmesituation“ Auslandseinsatz zu Hause.

Katrin Schwarz ist gebürtige Berlinerin, lebt aber nach einigen Umzügen inzwischen mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Idar-Oberstein. Die Verwaltungswirtin kümmert sich seit 2000 ehrenamtlich um die Interessen und Sorgen von Soldatenfamilien.

Für DEUTSCHLAND today stand Katrin Schwarz nun Rede und Antwort zu ihrem Buch:


DEUTSCHLAND today: Welche Motivation steckt hinter dem Projekt?
Katrin Schwarz: Ich wollte über die Situation der Familien von Soldaten während eines Auslandseinsatzes berichten und sie anderen Menschen erklären. Letztlich steckt eine gehörige Portion Herzblut dahinter, denn ich glaube, dass die Menschen hinter den Soldaten mehr Beachtung verdienen.

DEUTSCHLAND today: Woher nahmen Sie die Idee für das Buch?
Katrin Schwarz: Das Bedürfnis, diese Thematik aufzugreifen, bestand schon deutlich länger. Es ist in vielen Gesprächen entstanden und gewachsen. Gab es bisher schon viele Publikationen, die sich mit der Post von Soldaten nach Hause befassen, so wurde der Weg anders herum bisher – zumindest nach meiner Kenntnis – kaum beschrieben.

DEUTSCHLAND today: Welchen Gesamteindruck vermitteln die Briefe?
Katrin Schwarz: In erster Linie findet man in diesen Briefen viele Gefühle. Hinzu kommt die Kraft und Stärke der Verfasserinnen, die ich beim Lesen der Briefe empfunden habe.

DEUTSCHLAND today: Wie war die Resonanz auf das Buchprojekt?
Katrin Schwarz: Die Resonanz war überwältigend, nach kurzer Zeit standen mir über 200 Briefe zur Verfügung. Ich bekam sogar Antwort von Frauen, die ausdrücklich bedauerten, keinen Brief beisteuern zu können. Trotzdem wünschten Sie mir alles Gute für das Projekt.

DEUTSCHLAND today: Gibt es Briefe, die Ihnen als Autorin und Soldatenfrau ganz besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Katrin Schwarz: Ob Sie es glauben oder nicht, ich fand alle Briefe ansprechend und berührend. Darum war es auch nicht leicht, eine Auswahl zu treffen. Es gibt ein paar Briefe, die mir aus verschiedenen Gründen ganz besonders im Gedächtnis geblieben sind. Aber wenn Sie so etwas wie ein oder zwei Lieblingsbriefe meinen, lautet die Antwort: Nein, einen Lieblingsbrief gibt es nicht.

DEUTSCHLAND today: Was macht eine „Soldatenfrau“ in der jetzigen Zeit aus?
Katrin Schwarz: Wie wird man „Soldatenfrau“? Eine Frau verliebt sich in einen Mann, dessen Beruf Soldat ist. Damit steht diese Frau vor der Herausforderung, sich mit den Besonderheiten dieses Berufs auseinanderzusetzen. Bei Versetzungen muss man sich zwischen einem gemeinsamen Umzug an den neuen Standort oder einer Wochenendbeziehung entscheiden. Bei Auslandseinsätzen steht man im Unterschied zu den Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts, bei denen die gesamte Bevölkerung betroffen war, weitgehend alleine da.

DEUTSCHLAND today: Seit wann und in welcher Form unterstützen Sie Ehefrauen/Freundinnen und Angehörige der Soldaten im Auslandseinsatz?
Katrin Schwarz: Seit 2000 betreibe ich die Internetpräsenz frauzufrau.de. Dort gibt es zum Einen Informationen rund um die Auslandseinsätze, zum Anderen besteht die Möglichkeit zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung mit Partnern, Familienmitgliedern und Freunden der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.


Katrin Schwarz (Hrsg.)
Ich kämpf' mich zu Dir durch, mein Schatz
Briefe von der Heimatfront (2000 – 2010)
Erschienen im Adatia Verlag
ISBN: 978-3-940461-16-2
176 Seiten, broschiert

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