(np) - Mit viel "Tamm-Tamm" wurde am Mittwoch die Premiere des neuen Michael Jackson Videos „The Life of an Icon" gefeiert. In London erschien der Produzent des Streifen David Gest höchstpersönlich. Familienmitglieder wie Bruder Tito und Schwester Rebbie gaben sich ebenfalls die Ehre. Mutter Katherine sagte anlässlich des gerade laufenden Gerichtsprozesses ihren Auftritt ab. In Deutschland wurde die Premiere in Berlin gefeiert und Fans erhielten einmalig die Möglichkeit, „The Life of an Icon" auf einer großen Kinoleinwand zu sehen. Dennoch hielt der Film nicht ganz, was die meisten Michael Jackson Anhänger erwarteten.
Insgesamt kann man behaupten, dass die Macher versucht haben eine objektive und positive Sichtweise über den "King of Pop" zu vermitteln. Mutter Katherine Jackson erzählt über Michaels Kindheit in Gary, Indiana, über seine Beziehung zu Vater Joe und über die Unterstützung ihres Sohns während der Gerichtsprozesse. Rebbie Jackson, Michaels älteste Schwester, gibt eins ihrer sehr seltenen Interviews und erinnert sich an die Kindheit von Michael Jackson. Anderes Stars wie Smokey Robinson und Whitney Houston erzählen kleine teilweise wirklich liebenswerte Anekdoten über das Leben von und mit Michael Jackson.
Allerdings beschränkt sich ein großer Teil der Dokumentation auf die Zeit der Jackson Five-Ära. Es macht geradezu den Anschein, als ob es ein Film über die Jackson Five werden sollte, aus dem Michael Jackson als Solokünstler hervor ging. In knapp einer Stunde wird die Karriere der fünf Brüder rekonstruiert. Dabei untermalen meist aneinandergereihte Bilder die Erzählungen der Familienmitglieder, der Freunde und der Bekannten.
Nach einer ausführlichen Karrierebeschreibung der Jackson Five, wird kurzzeitig über sein erstes Soloalbum „Off the wall" gesprochen und auch sein legendäres Thriller-Album wird überraschend kurz behandelt. Anschließend wird die Karriere von Michael Jackson im schnelldurchlauf abgehandelt. Die Zeit, in der er die Albem „Bad", „Dangerous", History" und Invincible" herausbrachte, werden musikalisch fast gänzlich ausgeblendet. Ein paar kurze Videosequenzen, ein paar Fotos, mehr wird dem Zuschauer aus dieser Zeit nicht geboten. Umso schneller geht es dann zu Jacksons Privatleben, dass sich in der Dokumentation allerdings auch hauptsächlich den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs widmet.
Die Zeit des Prozesses (2005) wird in der Dokumentation für Michael Jackson durchaus positiv dargestellt. Und hier kommen für den Zuschauer Details ans Licht, die vielleicht nicht jeder kannte. Das die Medien zu der Zeit einen der größten Künstler tief fallen sehen wollten, wird jedem spätestens bei diesem Film bewusst. Gerne wurden nach Aussagen der Interviewten Details, die Michael Jackson damals entlasteten von der Boulevardspresse unter den Teppich gekehrt und der Leserschaft nicht präsentiert. Denn für die Presse galt Michael Jackson schon vor Beginn des Prozesses als schuldig. Wieso dann etwas anderes schreiben? „The Life of an Icon" versucht damit nun aufzuräumen, was Produzent David Gest auch hervorragend gelingt. Dennoch scheint er vergessen zu haben, dass das Leben von Michael Jackson auch aus anderen Aspekten als den Jackson Five, den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und seinem tragischen Tod bestand. Denn viel mehr Details werden in der Dokumentation nicht abgehandelt bzw. nur kurz angerissen.
Bildlich gibt es nicht viel neues zu sehen. Zwischen den Interviewsequenzen werden meist nur Fotos von Michael Jackson eingeblendet. Bewegte Bilder sind im Film eher Mangelware.
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