(sb) - Von oben betrachtet sollte es auf unserem Planeten eigentlich keine Wasserprobleme geben, schließlich besteht die blaue Kugel zu 70 Prozent aus dieser chemischen Verbindung. Doch 97 Prozent dessen sind Salzwasser und somit ohne Entsalzung unbrauchbar für den Bedarf der Weltbevölkerung. Hinzu kommt, dass sauberes und nutzbares Wasser ein knappes Gut in vielen Regionen geworden ist und der Wasserbedarf durch steigende Konsumbedürfnisse weiter wachsen wird.
Die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation gehen davon aus, dass 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben - 17 Prozent der Weltbevölkerung. Deutschland gehört nicht dazu.
In Deutschland verbraucht ein Mensch im Durchschnitt pro Tag 126 Liter Trinkwasser - für die Wäsche, die Klospülung, zum Duschen, zum Kochen und als Getränk. 126 Liter pro Tag, das scheint bereits eine enorme Menge zu sein. Tatsache ist aber, dass täglich vierzig Mal so viel Wasser verbraucht wird, ohne das nur einmal die Hand unter den Wasserhahn gehalten wird. Denn allein die Herstellung vieler Konsumgüter, egal ob industriell oder landwirtschaftlich produziert, verbraucht enorme Mengen Wasser.
Dieses indirekt verbrauchte Wasser nennt sich virtuelles Wasser und impliziert all das Wasser, das für die Herstellung, Lagerung und den Transport alltäglicher Konsumgüter verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird. Durch den bloßen Konsum von Lebensmitteln und Industriegütern verbraucht der durchschnittliche Deutsche jeden Tag so viel Wasser wie in 27 vollgelaufene Badewannen passt.
15.000 Liter Wasser für ein Kilo Rindfleisch
Im Durchschnitt verbraucht der Deutsche somit täglich rund 5.284 Liter Wasser, allein durch den Konsum von Alltagsgütern. Die Herstellung einer einfachen Tasse Kaffee benötigt beispielsweise bereits 140 Liter Wasser. Die Produktion eines Blattpapiers in der Größe A4 verbraucht 10 Liter Wasser. Ein Schokoriegel 2.000 Liter, da für den Anbau eines Kilos Kakao 27.000 Liter Wasser benötigt werden.
Zu einem der größten Wasserverschwender gehört die Fleischindustrie. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden über 15.000 Liter Wasser benötigt. Dabei wird der Großteil des Wassers zur Produktion des Futters benötigt, das allein sind 300.000 Liter für ein Rind. Hinzukommen 2.400 Liter zum Tränken und 700 Liter zur Reinigung. Ein Kilogramm Schweinefleisch benötigt 4.800 Liter Wasser und ein Kilo Hühnerfleisch 3.900 Liter.
Errechnet werden die Werte des virtuellen Wassers durch das Unesco Institute for Water Education und dem Twente Water Centre in den Niederlanden. Entwickelt wurde das Konzept durch den britischen Wissenschaftler John Anthony Allan im Jahr 1993.
Vom virtuellen Wasser zum Wasserfußabdruck
Die Forscher vom Twente Water Centre unter der Leitung von Arjen Y. Hoekstra haben die Idee des virtuellen Wassers zum Wasserfußabdruck weiterentwickelt. Dieses Konzept enthält eine zusätzliche regionale Komponente, die etwas darüber aussagt, wo das Wasser zur Herstellung der Güter investiert wurde. Dabei wird unterschieden zwischen importiertem (externem) und heimischem (internem) Wasser. Denn ein Großteil des virtuellen Wassers, das verbraucht wird, wird nicht aus deutschen Wasservorkommen geschöpft, sondern durch Produkte wie Kaffee, Baumwolle und Reis aus anderen Ländern importiert.
Deutschlands Wasserfußabdruck
Insgesamt hinterlässt Deutschland einen Wasserfußabdruck auf 159,5 Milliarden Kubikmetern (= 159,5 Billionen Liter) pro Jahr. Pro Person sind das 1.545 Kubikmeter. Damit liegt Deutschland deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 1.240 Kubikmetern pro Person. Einen größeren Abdruck hinterlassen nur die US-Amerikaner mit 2.483 Kubikmetern pro Jahr. China hinterlässt mit 702 Kubikmetern einen verhältnismäßig kleinen Fußabdruck, obwohl sie gemessen an der absoluten Menge, zusammen mit Indien, an der Spitze der Wasserverbraucher stehen. Doch China importiert gerade einmal sieben Prozent ihres benötigten Wassers und schöpft fast ausschließlich aus eigenen Ressourcen.
Das in Deutschland verbrauchte virtuelle Wasser wird hingegen zur Hälfte aus anderen Nationen importiert. Damit liegt Deutschland nach den USA an zweiter Stelle der Wasserimporteure.
Den größten Wasserfußabdruck hinterlässt Deutschland in Brasilien, vor allem durch den Import von Kaffee und Soja. Trotz des Wasserreichtums befindet sich Brasilien in einer Wasserkrise, insbesondere durch Verschmutzungen und den damit einhergehenden Folgen. Auch in Indien hinterlässt Deutschland, vor allem durch den Import von Baumwolle, einen Wasserfußabdruck mit großen ökologischen Folgen. Zwar ist auch Indien ein wasserreiches Land, doch die Landwirtschaft verschlingt enorme Mengen dieser flüssigen Ressource. Jährlich entnehmen die indischen Farmer 250 Kubikkilometer Wasser, doch durch Niederschläge werden nur 150 Kubikkilometer wieder zugeführt. Der Baumwollanbau trägt zudem zur Verschmutzung der Gewässer und der Grundwasservorkommen bei.
Da der virtuelle Wasserfußabdruck den Deutschland in anderen Ländern hinterlässt verhältnismäßig hoch ist, sieht der WWF vor allem für Regierung und Unternehmen dringenden Handlungsbedarf für ein nachhaltiges Wassermanagement. Aber auch jeder Einzelne hat Möglichkeiten den virtuellen Wasserverbrauch zu reduzieren. Beispielsweise durch den Konsum vornehmlich regionaler und saisonaler Obst- und Gemüsesorten sowie einem reduzierten Fleischkonsum.
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