Laut einer am Donnerstag bekannt gewordenen Erhebung des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der offiziell registrierten Todesfälle durch Behandlungsfehler, Hygienemängel und fehlerhafte Medizinprodukte 2010 um fast 35 Prozent auf insgesamt 1712 Fälle. 2009 wurden noch 1272 Todesfälle registriert.
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Experten führen den Anstieg der Todesfälle nach Komplikationen und Behandlungsfehlern allerdings auch auf ein höheres Problembewusstsein in den Kliniken und auf eine verbesserte Erfassung der Fälle zurück.
"Die Kernanschuldigungen, die aus der Statistik herausgelesen werden, haben nichts oder nicht unbedingt etwas mit dem Arzt zu tun", sagte Montgomery. Als Beispiel nannte er Abstoßungsreaktionen bei Transplantationen oder mangelnde Desinfektion, die sehr oft kein Arztfehler, sondern ein Strukturfehler seien. Nötig sei daher eine "differenzierte Aufarbeitung" der Statistik, forderte er.
Auch der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Rudolf Henke, warnte davor, Ärzte "an den Pranger" zu stellen. Die offizielle Todesursachen-Statistik liefere keinen Beleg für einen überproportionalen Anstieg von nachgewiesenen Behandlungsfehlern, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die für 2010 ermittelte Zahl von 1712 Todesfällen entspreche bei 17 Millionen Krankenhauspatienten jährlich einer Quote von 0,01 Prozent. "Aber natürlich macht jeder Todesfall beklommen", sagte Henke.
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