Was wurde aus der Studienreform?

Auswirkungen der Hochschulreform

Im Jahre 1999 einigten sich 29 europäische Staaten darauf einheitliche Studiengänge zu schaffen. 2002, zur Einführung in Deutschland waren die Erwartungen an diese Studienreform hoch. Ziel war eine bessere Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse und darüber hinaus eine Verbesserung der Lehre. Doch wie sieht es heute an den deutschen Hochschulen aus und was hat es den Studierenden letztlich gebracht?

Viele Studenten leiden unter der Doppelbelastung durch Studium und Nebenjob. Bild anzeigen

Viele Studenten leiden unter der Doppelbelastung durch Studium und Nebenjob.

© Joerg Trampert / pixelio.de

Nicht erst seit der Bachelor/Master-Umstellung sind Studenten in Deutschland oftmals mit ihrem Studium überfordert, mit der Umstellung sind die Erwartungen an den Studenten sowie der Konkurrenzdruck jedoch stark gestiegen. Dabei sind es keinesfalls Studenten aus bestimmten Studiengängen die sich überfordert fühlen, vielmehr zieht sich dieses Problem quer durch alle Studiengänge.

Hilfe von extern

Aufgrund diverser Überforderungen entschließt sich so mancher Student dazu, sich beim Schreiben von Hausarbeiten, Bachelorarbeiten oder gar der Diplomarbeit von speziellen Dienstleistern unter die Arme greifen zu lassen. Andere wiederum kümmern sich um kostenpflichtige Nachhilfe oder greifen gar zu leistungssteigernden Medikamenten.

Hohe Anzahl an Studierenden

Im Zuge der Bachelor Umstellung gibt es deutlich mehr Studierende an den deutschen Hochschulen. Seit etwa zwei Jahren gibt es in Deutschland mehr junge Menschen die einen akademischen Abschluss anstreben als Auszubildende. Dabei werden es sogar in jedem Semester mehr. Zum Wintersemester 2015/2016 schrieben sich noch einmal 60.000 Studierende mehr ein als zum Sommersemester 2015, insgesamt sind es nun etwa 2,8 Millionen. Das die Hörsäle unter dem Andrang oft bis zum letzten Platz belegt sind und Studenten auf den Treppen oder gar im Gang Platz nehmen müssen um der Vorlesung zu folgen, ist dabei keine Seltenheit und das es in überfüllten Hörsälen schwierig ist dem Stoff zu folgen ist eine logische Konsequenz.

Schlechtes Betreuungsverhältnis

Weiterhin leidet das Betreuungsverhältnis an den deutschen Universitäten unter den Entwicklungen. Der Hochschulverband wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auf einen Professor bzw. eine Professorin im Jahre 2014 im Schnitt 66 Studierende kamen. 2010 waren es etwa 60 Studierende pro Professor. Wenn sich Professoren nicht mehr um ihre Studenten kümmern können, bleiben zwangsläufig einige auf der Strecke. Fast jeder dritte Student bricht sein Studium vorzeitig ab.

Doppelbelastungen durch Jobs verzögern den Abschluss

Viele Studenten stehen zudem unter einer schwierigen Doppelbelastung, da viele Nebenher jobben müssen um sich das Studium zu finanzieren. Der oft straffe Zeitplan des Studiums kann durch diese Nebentätigkeiten in vielen Fällen nicht eingehalten werden und so verzögert sich der Studienabschluss Semester für Semester. Ein Ziel der Bologna Reform war es jedoch eigentlich die Studiendauer erheblich zu verkürzen. Die Praxis zeigt jedoch, dass Bachelor-Studenten oft deutlich länger für ihren Abschluss brauchen als geplant. Oft liegt die tatsächliche Studienzeit deutlich über den regulären sechs Semestern. Experten erklären dies so, dass die tatsächlichen Effekte der Umstellung auf Bachelor und Master sich erst jetzt herauskristallisieren, wobei vorher noch viel Wunschdenken seitens der Verantwortlichen dabei war.
Auch wenn die Ziele der Bologna Reform sicherlich zweckmäßig erscheinen, zeigt sich in der Praxis jedoch dass an der deutschen Hochschullandschaft noch einiges im argen liegt. Es ist Aufgabe der Politik und der Hochschulen selbst die Rahmenbedingungen der Lehre für die Studenten zu verbessern.