(nt) - Der Kieler Tatort findet sich durch den Tod eines Autors mit dem 25 Jahre zurückliegenden Fall des ehemaligen Ministerpräsidenten Schleswig Holsteins - Uwe Barschel - konfrontiert.
"Die Fremde"-Regisseurin Feo Aladag (links) und ihre Hauptdarstellerin Sibel Kekilli (rechts), welche seit 2011 die Assistentin Sarah Brandt im Kieler Tatort spielt.
© Foto: AFPZum Inhalt: Es ist ein verdammt spannender Hintergrund, in den der neue Fall von Kommissar Borowski dieses Mal eingebettet ist. Uwe Barschels Tod im Genfer Beau Rivage ist der wohl interessanteste unaufgelöste und mit tausend Seltsamkeiten gespickte Mordfall der letzten Jahrzehnte. War es Selbstmord oder Mord? Wenn ja, von wem? Stasi, Mossad, CIA?
Doch zuerst meldet der in der Talkshow Ulla Jahns (erinnert nicht nur phonetisch an Anne Will) via Livestream zugeschaltete Tom Buhrow den Tod des Autors Dirk Sauerland. Borowski und Brandt machen sich schleunigst auf den Weg, um in der Wohnung des Verstorbenen sogleich auf den Minister Karl Martin von Treunau zu treffen. Eine Verbindung der beiden liegt auf der Hand; dass sie jedoch bereits seit mehreren Jahren ein Verhältnis haben, kommt erst später ans Licht. Bei den Ermittlungen findet sich in Sauerlands Wohnung ein Raum, in dem er seine Recherchen für ein neues Buch gesammelt hat - mittendrin allerlei Hinweise in Form von Fotos und Zeitungsartikeln zu Uwe Barschel. Der dem Alkohol nicht abgeneigte Autor arbeitete an einem Enthüllungsbuch und auch ein Informant in Genf tut sich auf, der behauptet Sauerland hätte neue Erkenntnisse und sogar Beweise für die Mordtheorie im Fall Barschel. Borowski ist und bleibt skeptisch; er war damals selbst bei den Ermittlungen dabei und glaubt an einen Selbstmord. Im Gegensatz dazu Assistentin Sarah Brandt, die der festen Überzeugung ist, es handelte sich um einen Mord. Beide fahren nach Genf und während Borowski den Informanten auftreibt und zum aktuellen Fall ermittelt, schaut sich Brandt im Hotel um und inspiziert das berühmte Zimmer 317. Doch zwei Unbekannte klauen ihr das iPad mit den Fotos und zurück in Deutschland sind auch die gesammelten Aufzeichnungen zum Fall vom Rechner gelöscht. Was nun? Der vorläufige Showdown, welcher von Treunau auf dem Boot Sauerlands als Mörder überführen soll, lässt dessen Unschuld am Tod des Geliebten erkennen. Borowski entdeckt im Zuge dessen tatsächlich in einem Geheimfach eine Videokassette mit der Beschriftung ‘10/87‘; der Beweis von dem der Informant sprach. Die Aufzeichnungen zeigen Aufnahmen des Hotelzimmers in der Todesnacht Barschels. Man sieht wie sich der filmende Journalist im Zimmer umschaut, Blick in den Flur, ins Schlafzimmer, schließlich die Entdeckung des Toten in der Badewanne. Einen Koffer, der neben dem Bett stand, nimmt der merklich erschrockene Journalist damals an sich - es ist der gleiche, den die Ermittler im aktuellen Fall anfangs sichergestellt hatten und vielleicht lassen sich hier endlich brauchbare Spuren nachweisen. Doch als Sarah Brandt später das Beweisstück holen will, ist auch dies verschwunden. Der Fall Barschel ist damit nach wie vor in der Schwebe. Bei der Aufklärung des aktuellen Falles stößt Borowski auf Ungereimtheiten um die Person Ulla Jahn, die nicht so unwissend und unschuldig ist, wie sie anfangs schien und schließlich den Mord an ihrem Ex-Mann zugibt.
Fazit: Der Fall Barschel weckt von Anfang an besonderes Interesse und man ist als Zuschauer gespannt, ob sich nicht doch neue Indizien finden, die irgendeiner Theorie recht geben. Doch obwohl man weiß, dass das nicht passieren wird, bleibt der Tatort durch den Mix aus aktuellem und altem Fall spannend und sehenswert. Borowski kommt wie immer ein wenig grob und unsympatisch daher, vor allem in den Dialogen mit seiner Assistentin. Doch seine stoische Ruhe hat auch ihre komischen Seiten, beispielsweise in den Kabbeleien mit Chef und gleichzeitig privatem Beinahe-Dauergast Schladitz. Gut gemacht ist auch der Rahmen der endgültigen Aufklärung des Mordfalles Sauerland: Borowski bugsiert die aggressive, Autos-tretende Ulla Jahn an einer Tankstelle in ihren Wagen und fährt ihn kurzerhand in die Waschanlage, um in Ruhe mit ihr reden zu können.
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