Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein

Brückeneinsturz in Frankreich: Lkw war deutlich zu schwer

Mirepoix (AFP) - Der Brückeneinsturz im Südwesten Frankreichs mit zwei Todesopfern wurde vermutlich durch einen zu schweren Lastwagen ausgelöst. Der am Montag in den Fluss Tarn gestürzte Lkw habe eine "mehr als 50 Tonnen" schwere Baumaschine transportiert, sagte Staatsanwalt Dominique Alzeari am Dienstag. Das Fahrzeug war damit mehr als doppelt so schwer als das zulässige Höchstgewicht von 19 Tonnen. Die Behörden leiteten Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein.
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Bauwerk stammte aus den 1930er Jahren © AFP

"Die Tatsache, dass dieses schwere Fahrzeug die Brücke benutzt hat, scheint nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen die unmittelbare und offensichtliche Ursache des Unfalls zu sein", sagte Alzeari. Der Beschilderung der 1931 erbauten Brücke sei ausdrücklich zu entnehmen, "dass nur ein Lastwagen sie gleichzeitig benutzen kann und dass seine formale Nutzlast auf 19 Tonnen begrenzt ist", fügte er hinzu.

Der Lastwagenfahrer sei nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler auf die Brücke gefahren, "trotz der Lichthupen und Warnhupen" des hinter ihm fahrenden Lkws, sagte der Staatsanwalt. Der erste Fahrer habe damit mutmaßlich den "sofortigen und totalen" Zusammenbruch der Brücke ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung ein. Bei den Untersuchungen seien unter anderem Aufnahmen von Tauchern gesichtet worden.

"Es war ein Laster in Übergröße, die Brücke ist zusammengebrochen", hatte bereits zuvor der Bürgermeister des Ortes Mirepoix-sur-Tarn, Eric Oget, erklärt. Die französische Umwelt-Staatssekretärin Emmanuelle Wargon jedoch sprach zunächst von einer "Hypothese" und verwies darauf, dass die Brücke noch 2017 überprüft worden sei. Auch eine Kontrolle 2018 habe keine sichtbaren Schwachstellen ergeben.

Der Schwerlaster diente nach Angaben der örtlichen Behörden zum Transport von Baumaschinen. Er gehörte einer Baufirma der Region nördlich der Großstadt Toulouse, deren Büros nach dem Unglück durchsucht wurden.

Der Fahrer des Lkw kam bei dem Unglück ums Leben. Er galt zunächst als vermisst, seine Leiche wurde am Montagabend geborgen. Das zweite Todesopfer ist eine 15-Jährige, die während des Unglücks mit ihrer Mutter im Auto die Brücke überquerte. Die Mutter konnte aus dem Fluss gerettet werden. Nach Angaben des Staatsanwalts war sie "verletzt und traumatisiert".

Nicht bestätigt wurden Zeugenangaben zu einem dritten Fahrzeug, das zum Zeitpunkt des Einsturzes auf der Brücke gewesen sein sollte.

Die Regierung stellte derweil Kommunen Hilfe bei der Überprüfung womöglich baufälliger Brücken in Aussicht: Staatssekretärin Wargon sagte, möglich sei etwa ein "Inventar" solcher Bauwerke mit den Gemeinden, um nötige Sanierungsmaßnahmen und Kosten festzustellen.

Die Metallbrücke stammte aus dem Jahr 1931 und war 2003 zuletzt restauriert worden. Experten kritisieren, dass die französische Regierung seit Jahren zu wenig Geld in die Infrastruktur investiert. Sie fürchten ein ähnlich verheerendes Unglück wie im August 2018 in der italienischen Stadt Genua, wo beim Einsturz der Morandi-Brücke 43 Menschen ums Leben kamen.

In einem Expertenbericht im Auftrag der französischen Regierung war im vergangenen Jahr von 4000 reparaturbedürftigen Brücken im Land die Rede. Bei sieben Prozent der Brücken wurden ernste Mängel festgestellt.

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