"Spiegel": Bundeswehr soll Deutsche aus Wuhan ausfliegen

China bekommt trotz drastischer Maßnahmen neuartiges Virus nicht unter Kontrolle

Peking (AFP) - Trotz drastischer Maßnahmen bekommt China das neuartige Coronavirus nicht unter Kontrolle. Am Montag vermeldeten die Behörden bereits 2700 Infizierte, dies waren 700 mehr als am Vortag. Die Zahl der Verdachtsfälle verdoppelte sich sogar binnen 24 Stunden auf fast 6000. Erstmals wurde ein Todesfall aus Peking gemeldet, damit starben nunmehr 82 Menschen. Die Bundesregierung bereitete derweil eine mögliche Evakuierung deutscher Staatsbürger aus der besonders betroffenen Stadt Wuhan vor.

Alltag mit Atemmasken in der U-Bahn von Hongkong Bild anzeigen Alltag mit Atemmasken in der U-Bahn von Hongkong © AFP

Nach Informationen des "Spiegel" soll die Bundeswehr die rund 90 Deutschen ausfliegen, die in Wuhan festsitzen. Die Luftwaffe solle am Mittwoch oder Donnerstag nach China fliegen und die Deutschen abholen, berichtete das Nachrichtenmagazin. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP, er könne den Bericht nicht bestätigen. Die Bundeswehr sei aber "grundsätzlich auf alles vorbereitet".

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte zuvor gesagt, die Bundesregierung ziehe eine mögliche Evakuierung aller ausreisewilligen Deutschen in Betracht. "Wir prüfen und bereiten uns auf alle Optionen vor." Das Auswärtige Amt rät derzeit von Reisen in die gesamte Provinz Hubei ab; bei Reiseplänen für andere Teile des Landes soll eine Absage oder Verschiebung erwogen werden.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, schätzte die Gesundheitsgefahren durch das Virus in Deutschland als "sehr gering" ein. Deutschland sei zudem "absolut gut vorbereitet" auf mögliche Infektionsfälle, betonte er im ZDF.

Allerdings korrigierte die Weltgesundheitsorganisation WHO eigene Angaben zum internationalen Gefährdungsniveau durch das neuartige Virus. Weltweit sei die Gefährdung "hoch", erklärte die Organisation, die bisher nur von einer "moderaten" weltweiten Gefahr gesprochen hatte. Zur Begründung sagte eine WHO-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP, es habe einen "Formulierungsfehler" gegeben. Die WHO schätze das Risiko "sehr hoch in China, hoch in der Region und hoch auf weltweitem Niveau" ein. Es bestehe aber nach wie vor kein weltweiter Gesundheitsnotstand.

Angesichts der Entwicklung haben die USA, Japan und Frankreich entschieden, ihre Staatsbürger aus Wuhan auszufliegen. Dabei wollen die USA schon am Dienstag den Anfang machen. US-Präsident Donald Trump bot der Volksrepublik "jede notwendige Hilfe" im Kampf gegen das Virus an.

Die chinesischen Behörden versuchen derzeit, die Ausbreitung des Virus mit Hilfe drastischer Reisebeschränkungen zu stoppen. Neben der Elf-Millionen-Metropole Wuhan, wo das Virus im Dezember seinen Ausgang genommen hatte, steht inzwischen praktisch die gesamte Provinz Hubei unter Quarantäne. Sie sind also komplett von der Außenwelt abgeschlossen. Mehrere Großstädte, darunter Peking und Shanghai, setzten zudem den Verkehr von Überlandbussen aus.

Um eine Weitergabe des Virus am Arbeitsplatz zu verhindern, verlängerte die Zentralregierung in Peking die landesweiten Ferien zum chinesischen Neujahr um drei Tage bis Sonntag. Als erstes ranghohes Mitglied des Politbüros reiste Ministerpräsident Li Keqiang nach Wuhan und damit in das Epizentrum der Krise.

Aus Sorge, das Virus könnte auch die Mongolei erreichen, schloss die Regierung in Ulan Bator die gesamte knapp 4700 Kilometer lange Grenze zu China. Bis 2. März sollen im ganzen Land Schulen und Universitäten geschlossen bleiben, alle Massenveranstaltungen wie Konferenzen, Sportkämpfe und Konzerte sowie Reisen wurden untersagt.

Das Virus hat inzwischen mehr als ein Dutzend weitere Länder erreicht, darunter die USA, Australien sowie, als erstes europäisches Land, Frankreich. Viele der Erkrankten waren zuvor in Wuhan: Fünf der elf Millionen Einwohner dort hatten laut Bürgermeister Zhou Xianwang zum Neujahrsfest die Stadt verlassen.