(nt) - Vor den Feiertagen einzukaufen, ist für Viele ein Muss und für Manche ein Graus, weil einen oft das Gefühl beschleicht, die Leute würden so viel kaufen, als wenn sie sich in den nächsten zwei Monaten in einem Bunker verschanzen müssten.
Der Konsumwahn ist heutzutage weiter verbreitet, denn je. In Zahlen bedeutet dies: Fast die Hälfte aller Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen. Jeder einzelne Bundesbürger entsorgt im Schnitt 82 kg Nahrung pro Jahr, was hochgerechnet auf Deutschland ca. 20 Millionen Tonnen entspricht. Und das nicht nur deshalb, weil die Sachen schlecht oder schimmlig sind, sondern größtenteils, weil es das Verfallsdatum so anzeigt oder manche Menschen das Gefühl haben, ein Joghurt, den man nach drei Tagen noch immer im Kühlschrank stehen hat, kann unmöglich noch genießbar sein. Diese Erscheinung nennt sich Lebensmittelverschwendung.
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit, bis sich eine Gegenströmung zu der leichtfertigen Lebensmittelanhäufung und -entsorgung entwickelt. Was sich in Amerika unter „waste diving“ verbreitete, findet in den Begriffen „Containern“, „Dumpstern“ oder„Mülltauchen“ langsam Einzug in die deutsche Sprache und das deutsche Bewusstsein. Diese bezeichnen „die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern.“(www.dumpstern.de). Vor allem Supermärkte werfen viele Waren weg, die einerseits zu viel bestellt wurden, überlagert sind und zum Beispiel aufgrund von Druckstellen (vor allem bei frischem Obst und Gemüse) nicht mehr attraktiv aussehen, zum anderen wird der Platz für neue Waren gebraucht. Man sieht, es hängt also nicht zwangsläufig damit zusammen, dass Weggeworfenes tatsächlich ungenießbar ist.
Hier sehen die Mülltaucher ihre Chance und die Notwendigkeit einzugreifen. In der Regel geht es auf Lebensmittelsuche, sobald es dunkel wird. In den Containern der Supermärkte lassen sich oft genügend Nahrungsmittel finden, die sich noch immer verwerten lassen, selbst wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum schon abgelaufen ist. Die Motivation dabei ist einerseits ein Aufmerksammachen auf den Missstand, dass es Überproduktion und Verschwendung von Essen gibt, während in anderen Ländern Hungersnot herrscht. Gleichzeitig ist es ein Zeichen des Protests, sich dem Konsumwahn zu entziehen und auf diese Weise auch etwas für die Umwelt zu tun. Zusätzlich kann man durchs Containern Geld für andere Dinge sparen bzw. ausgeben.
Nach deutschem Recht ist das Mülltauchen Diebstahl, da alles, was sich auf dem Gelände des jeweiligen Marktes befindet, auch sein Eigentum ist; selbst die weggeworfenen Lebensmittel in den Containern, zumindest solange, bis sie abtransportiert werden. DIE LINKE forderte im März dieses Jahres, das Containern nach Lebensmitteln zu legalisieren. In Österreich und der Schweiz gelten weggeworfene Lebensmittel als Müll, der für keinen Dritten bestimmt und somit herrenlos ist. Solange man keine Straftat begeht, in dem man Schlösser aufbricht oder sich unrechtmäßigen Zutritt zu Geländen verschafft, wird das Containern dort toleriert.
Ein Interview mit solch einem "Mülltaucher" findet man hier auf unserem Blog!
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