Bundesregierung will Reisende aus Risikogebieten digital registrieren

Erstmals seit April mehr als 2000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag

Berlin (AFP) - Erstmals seit April hat das Robert-Koch-Institut mehr als 2000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus an einem Tag gemeldet. Die Behörde verzeichnete am Samstag insgesamt 232.082 Infektionen in Deutschland, ein Plus von 2034 zum Vortag. Angesichts jüngster Pannen bei der Erfassung von Reiserückkehrern aus Corona-Risikogebiete plant die Bundesregierung, die Urlauber künftig elektronisch registrieren zu lassen. Corona-Tests sollen sie laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet jedoch selbst bezahlen.
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Schülerinnen mit Mund-Nasen-Maske © AFP

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung der Pandemie in Deutschland solle die Einreisemeldung für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten künftig elektronisch erfolgen, bestätigte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums. Ziel der elektronischen Einreiseanmeldung sei es, dass alle Rückreisenden aus Risikogebieten die Möglichkeit bekommen, die derzeitige analoge Aussteigekarte noch vor der Rückreise über ein Onlineformular auszufüllen. Nach Abschluss der Anmeldung sollen die Reisenden eine Bestätigung erhalten, die zum Nachweis der erfolgten Registrierung genutzt werden kann.

Bislang müssen Reise-Rückkehrer aus Risikogebieten auf Formularen per Hand Angaben zur Identität, der Reiseroute, Kontaktdaten und dem eigenen Gesundheitszustand machen. Die Unterlagen sammelt die jeweilige Fluggesellschaft oder das Busunternehmen ein, leitet sie an das für die Einreise zuständige Gesundheitsamt weiter, das sie wiederum an das Gesundheitsamt am Wohnsitz des Rückkehrers verschickt. Das Ausfüllen per Hand hatte zuletzt in Bayern für Chaos gesorgt: Zwischenzeitlich waren mehr als 40.000 Rückkehrer nicht über ihr Testergebnis informiert worden.

Da die Bundesverwaltung eine elektronische Lösung für die Einreiseanmeldung nicht zeitnah selbst bewältigen kann, will das Ministerium einen externen Dienstleister mit der Umsetzung beauftragen. Bislang wurde nach Angaben der Sprecherin des Bundesinnenministeriums aber kein Auftrag erteilt. Nach einem Bericht des "Business Insider" verhandelt das Ministerium derzeit mit der IT-Firma Accenture.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich derweil dagegen aus, dass die verpflichtenden Corona-Tests für Reisende aus Risikogebieten dauerhaft kostenlos bleiben. "Solche Corona-Tests für Reisende aus Risikogebieten sollten mittelfristig ähnlich wie Flughafengebühren auf den Reisepreis aufgeschlagen werden", sagte der Anwärter auf den CDU-Parteivorsitz den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es sei nicht akzeptabel, "dass dies auf Dauer die Allgemeinheit bezahlt".

Laschet sprach sich zudem für konsequente Strafen bei Verstößen gegen die Quarantäne-Pflicht aus. Der gesetzlich mögliche Rahmen für Bußgelder reiche dabei bis zu einer Höhe von 25.000 Euro.

Wegen einer Corona-Infektion bei einer Passagierin musste am Freitagvormittag eine Lufthansa-Maschine in Frankfurt am Main den Start Richtung Minsk abbrechen. Wie der "Spiegel" berichtete, befand sich der Flieger mit der Flugnummer 1486 bereits auf der Rollbahn, als eine Passagierin Alarm schlug.

Aufgeregt habe die Frau den Flugbegleiterinnen geschildert, sie habe sich bei der Rückkehr aus Kroatien Anfang der Woche auf dem Flughafen München auf das Coronavirus testen lassen. Das Testergebnis sei aber erst jetzt, nach dem Einsteigen in den Lufthansa-Jet, per E-Mail gekommen. Der Kapitän brach laut dem Bericht daraufhin das Startmanöver sofort ab.

Das Gesundheitsamt holte die Frau demnach von der Maschine ab, sie muss zwei Wochen lang in häusliche Quarantäne. Da für die anderen Passagiere eine Infektion ausgeschlossen worden sei, konnte der Flug mit gut zwei Stunden Verspätung in Richtung Minsk abheben.

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