Archäologen streiten über Wahrheitsgehalt der Legende von Romulus und Remus

Forscher stellen mögliche Grabstätte des römischen Gründervaters Romulus vor

Rom (AFP) - Es ist möglicherweise einer der spektakulärsten archäologischen Funde auf dem römischen Forum Romanum: Im antiken Teil der italienischen Hauptstadt haben Forscher am Freitag der Öffentlichkeit erstmals ein Grab vorgestellt, bei dem es sich um die letzte Ruhestätte des römischen Gründervaters Romulus handeln könnte. Alle Indizien deuteten darauf hin, dass es tatsächlich das Grab des römischen Namensgebers sei, teilte der Archäologiepark Kolosseum in Rom mit.
Romulus soll Rom 753 vor Christus gegründet haben Bild anzeigen
Romulus soll Rom 753 vor Christus gegründet haben © AFP

Es handele sich um einen "außergewöhnlichen Fund", erklärte der Archäologiepark weiter. Der steinerne Sarkophag sowie ein kreisrunder Altar aus dem 6. Jahrhundert vor Christus waren bereits Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt worden - doch welche Persönlichkeit der römischen Antike darin bestattet war, ist unter Archäologen bis heute umstritten. Mehr noch: Unklar ist, ob die Brüder Romulus und Remus - die nach der römischen Mythologie vor fast 3000 Jahren den Grundstein zur Gründung Roms legten - überhaupt existierten.

Es sei unmöglich, "wissenschaftlich zu belegen", dass es sich bei dem nun vorgestellten Grab definitiv um das von Romulus handele, sagte die Archäologin Patrizia Fortini der Nachrichtenagentur AFP. "Es ist nur eine Annahme, die auf antiken Quellen beruht, laut denen Romulus' Grab in diesem Bereich des Forums liegt." In jedem Fall handele es sich um ein "bedeutendes Denkmal". Die Form des Sarkophags deute darauf hin, dass dem Bestatteten von den Zeitgenossen ein Denkmal gesetzt worden sei. "Aber worum es sich wirklich handelte, können wir nicht sagen", betonte Fortini.

Römische Dichter wie Ovid und Plutarch machten die Geschichte der Brüder Romulus und Remus, die von einer Wölfin großgezogen worden sein sollen, berühmt. Der Legende zufolge soll Romulus die Stadt am 21. April im Jahr 753 vor Christus gegründet haben. Kurz darauf begann er mit dem Bau einer Stadtmauer rund um den Palatin-Hügel. Um das Vorhaben seines Bruders zu verspotten, sprang Remus über die Mauer - woraufhin Romulus ihn umbrachte. Nach dem Brudermord soll Romulus den römischen Senat errichtet haben - und als erster König Roms 40 Jahre lang über die Stadt geherrscht haben.

Ob Romulus nun tatsächlich existierte oder nicht, spiele aus historischer Sicht keine Rolle, sagte der Archäologe Paolo Carafa der AFP. Wichtig sei lediglich, dass die Zeitgenossen der Antike Romulus als Gründervater Roms betrachtet hätten - und er somit für die "politische Geburt" der Stadt stehe.

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