München (AFP) - Für Regisseur Helmut Dietl ist Berlin wie ein Käfig voller Narren. "So viele Narren auf einem Haufen, das gibt es nirgendwo sonst in Deutschland", sagte Dietl der "Süddeutschen Zeitung". Allerdings handle es sich in Berlin um "gefährliche Narren, nicht solche, die nur spielen wollen. Weil spielerisch ist dort fast gar nichts."
Er habe an Berlin zwei Seiten erkannt. Auf der einen Seite "eine ungeheure Provinzialität" wie in der früheren Bundeshauptstadt Bonn. "Und auf der anderen Seite erlebt man hinter den Kulissen eine Brutalität und Gnadenlosigkeit, wie sie in Großstädten herrscht, die das gewöhnt sind."
Dietl lebte die vergangenen drei Jahre in Berlin um für seine demnächst erscheinende Hauptstadtfarce "Zettl" zu arbeiten, inzwischen ist er wieder nach München zurückgezogen. Von seiner Zeit in der Hauptstadt zeigte er sich in der "SZ" desillusioniert. Gelernt habe er dort jedenfalls nichts. "Man lernt nichts, sondern man bekommt etwas bestätigt. Das ist eine Erfahrung, also ich weiß nicht, ob man die wirklich machen muss. Glücklicher wird man nicht davon."
Für "Zettl" nahm Dietl auch Anleihen an seine erfolgreiche Fernsehserie "Kir Royal". Ursprünglich sollte der als "Baby Schimmerlos" in der Serie bekannt gewordene Franz Xaver Kroetz bei "Zettl" eine tragende Rolle bekommen. Dietl gab Kroetz die Schuld, dass es dazu trotz einer gegenseitigen Zusage nicht gekommen ist. Zu einem sehr späten Zeitpunkt der Filmvorbereitung habe Kroetz ihm gesagt, dass er den "Baby Schimmerlos" nicht so spielen wolle wie im Drehbuch vorgesehen. "Und da habe ich ihm dann gesagt, dass ich auf seine Dienste als Darsteller leider verzichten muss. So leid es mir tut."